Staatsbilanz

Stadt/Heidelberg/Kostensteigerung

Kapelle in Heidelberg ohne Dämmung geplant

Heidelberg baut eine alte Kapelle zum Bürgertreff um, die Planung ohne Dämmung hätte Schimmel gebracht, nun kostet es 331.500 Euro mehr

Was ist passiert?

Auf der Konversionsfläche Rohrbach-Hospital baut die Stadt Heidelberg eine ehemalige Kapelle zum Bürgertreff um. Foyer und Mehrzweckraum sollen künftig Platz für Begegnungen im Quartier bieten. Der Gemeinderat erteilte dafür im Juli 2024 eine Ausführungsgenehmigung über 1.480.000 Euro.

Der ursprüngliche Plan hatte allerdings eine Schwäche: Um Dämmkosten an der Gebäudehülle zu sparen, sollten Foyer und Mehrzweckraum nur zeitweise beheizt werden. Die technische Prüfung ergab später, dass dies bei ungedämmten Bauteilen sehr wahrscheinlich zu Schimmel und Tauwasserschäden geführt hätte. Verhindern hätte man das nur mit Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik samt automatisierter Lüftung, die laut Verwaltung wartungsintensiv und fehleranfällig gewesen wäre.

Nun wird also doch gedämmt. Die defekte Schieferdeckung weicht einem Zinkblechdach, das samt Dämmung 171.500 Euro mehr kostet. Hinzu kommt eine Innendämmung der Außenwände für weitere 65.000 Euro. Statt Deckenstrahlplatten und Lüftungstechnik soll eine Fußbodenheizung eingebaut werden. Das Umplanen kostete zusätzlich 65.000 Euro für Architektur, Haustechnik und Elektro, die verlängerte Bauzeit mit Gerüst und Baustelleneinrichtung noch einmal 10.000 Euro. Macht 75.000 Euro dafür, dass man die Planung nachträglich korrigieren musste. Die Fertigstellung rückt von Frühsommer auf Ende 2026.

Unter dem Strich stehen Mehrkosten von 331.500 Euro. Dass die Stadt nur 96.500 Euro nachbewilligen musste, liegt an guten Vergabeergebnissen von 195.000 Euro und 40.000 Euro entfallener Technik (195.000 + 40.000 = 235.000 Euro; 331.500 − 235.000 = 96.500 Euro). Das sind rund 6,5 Prozent mehr als genehmigt, die Gesamtkosten steigen auf 1.576.500 Euro. Die Verwaltung spricht von einem „signifikanten Mehrwert“ und folgt nach eigenen Worten „dem Gedanken des einfachen Bauens“. Der Gemeinderat stimmte am 11.06.2026 einstimmig zu. Bewilligt sind 765.000 Euro Fördermittel, ein weiterer Aufstockungsantrag wurde gestellt.

Kritik

Wer bei einem Gebäude mit Schieferdach und ungedämmten Wänden die Dämmung wegspart und stattdessen auf zeitweises Heizen setzt, plant an der Physik vorbei. Dass die Bauschäden erst im Planungsverlauf auffielen, zeigt, dass die Ursprungsplanung nicht sauber geprüft wurde. Die 75.000 Euro für Umplanung und längere Bauzeit sind reines Lehrgeld, das bei sorgfältiger Planung nicht angefallen wäre. Gute Vergabeergebnisse dürfen nicht dazu dienen, solche Fehler im Nachhinein zu überdecken.

0084/2026/BV: Konversionsfläche Hospital; Sanierung und Umbau einer ehemaligen Kapelle in einen Bürgertreff; Änderung der Ausführungsgenehmigung hinsichtlich der Gesamtkosten aufgrund von Planungsänderungen, Ratsinformationssystem der Stadt Heidelberg, 22. April 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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