20 Millionen für Eishalle statt 48 Bäume
Kassel zahlt 20 Millionen Euro für eine zweite Eishalle am Auestadion, dafür fallen 48 große Bäume und über 400 Parkplätze weg
Was ist passiert?
Am Auestadion steht bereits eine Eishalle, die Probonio-Arena. Ein privater Investor will sie erweitern, eine zweite Eishalle danebenstellen und ein neues Parkhaus bauen. Die Fläche dient bisher als Parkplatz mit über 400 öffentlich nutzbaren Kfz-Stellplätzen und 48 großen Bäumen.
Die Stadtverordnetenversammlung beschloss vor der Sommerpause kurzfristig, rund 20 Mio. Euro aus dem Sondervermögen des Bundes für das Vorhaben bereitzustellen. Die Begründung: Schulen, sozial benachteiligte Gruppen und die breite Öffentlichkeit sollen von den Anlagen profitieren. Das ist die Begründung, die im Umlauf ist. Wie diese Nutzung dauerhaft gesichert werden soll, ist bislang nicht erklärt.
Dabei hatte die städtische Klimarelevanzprüfung das Projekt als „erheblich negativ“ für Klima und Umwelt bewertet. Weitere Baukörper, mehr Versiegelung und der Verlust zahlreicher Bäume sind die Folgen. Die Linksfraktion verweist zudem auf die Genehmigungsunterlagen: Danach werden künftig „deutlich weniger“ Stellplätze frei zugänglich sein. Das Parkhaus soll außerdem nach der Garagenverordnung von 2022 genehmigt werden, obwohl es frühestens 2026 entsteht. Möglich macht das eine Übergangsregelung auf Basis eines Bauantrags von 2024.
Rechnerisch trägt bisher ein Baum die Last von gut acht Stellplätzen (über 400 geteilt durch 48). Die Fläche gehört also schon heute nicht zu den grünsten der Stadt, und gerade diese Bäume sollen weichen.
Die Linksfraktion stellte im August 2026 acht Fragen an den Magistrat, darunter nach Kompensation, Ersatzpflanzungen und der Trennung von Projektförderung und Bauaufsicht. Im Ausschuss am 15. September 2026 wurde die Anfrage aus Zeitgründen nicht aufgerufen. Sie ist für die nächste Sitzung vorgemerkt.
Kritik
Wer 20 Mio. Euro an ein privates Unternehmen gibt, darf nicht ausgerechnet ein Vorhaben fördern, das die eigene Klimaprüfung als erheblich negativ einstuft. Der angeführte Nutzen für Schulen und Öffentlichkeit trägt nur, wenn er verbindlich festgeschrieben ist, etwa durch Nutzungszusagen, eine Zweckbindung und eine Rückforderung bei Verstößen. Der Verlust von über 400 öffentlichen Stellplätzen und 48 großen Bäumen hätte in der Förderentscheidung als Kostenfaktor behandelt werden müssen. Eine Entscheidung in Eile, bei der politische Unterstützung und Bauaufsicht ineinander laufen, schadet dem Vertrauen in beides.
101.20.137: Anfrage Fraktion DIE LINKE Planungsfragen zum Projekt 2. Eishalle am Auestadion: nachhaltiger Einsatz öffentlicher Gelder?, Ratsinformationssystem der Stadt Kassel, 15. September 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.