Staatsbilanz

Stadt/Kassel/Fehlplanung

Kassel: 20 Millionen für weniger Gratisplätze

Kassel gibt 20 Millionen Euro für ein Parkhaus am Auestadion, doch nur 200 Plätze sind gratis, auf dem alten Parkplatz waren es bis zu 350

Was ist passiert?

Am Auestadion in Kassel gibt es bereits eine Eishalle. Daneben liegt ein unbefestigter, unbewirtschafteter Parkplatz, den Pendler zum Umsteigen auf die Straßenbahn nutzen, denn dort liegt die ÖPNV-Haltestelle „Auestadion“. Im Projekt „Sportcampus Süd“ soll nun eine zweite Eishalle entstehen, gebaut von einem privaten Investor. Dazu gehört ein Parkhaus mit 1.077 Stellplätzen. Die Stadt will das Vorhaben nach Darstellung der Fraktion DIE LINKE mit rund 20 Mio. Euro aus dem Sondervermögen des Bundes unterstützen. Die Verwaltung begründet das Parkhaus unter anderem damit, es stärke das Park-and-Ride-Angebot.

Doch ein Blick auf die Zahlen relativiert das. Der Parkplatz, den das Parkhaus ersetzt, hatte nach Angaben des Straßenverkehrs- und Tiefbauamts eine realistische Kapazität von 270 bis 350 Plätzen, das Verkehrsgutachten nennt höchstens 410. Im neuen Parkhaus sollen voraussichtlich nur 200 Plätze für Nutzer kostenlos sein, also rund 19 Prozent der 1.077 Plätze (200 : 1.077). Gegenüber dem alten Platz sind das 70 bis 150 Gratisplätze weniger. Zudem gilt das Gratiskontingent nur montags bis freitags von 0 bis 18 Uhr. Das sind 90 von 168 Wochenstunden (5 mal 18), also gut die Hälfte der Woche. Bei großen Veranstaltungen entfällt es ganz.

Die Verwaltung hält dagegen: Insgesamt gebe es künftig ein Vielfaches an Stellplätzen, und in der Pendlerzeit steige die Chance auf einen freien Platz. Ob der Wegfall der alten Plätze das Verhalten der Pendler verändert, wurde allerdings nicht untersucht. Man erwarte lediglich, dass das Gratiskontingent genüge. Der Vertrag, der die Kostenbeteiligung der Stadt und die Laufzeit regelt, ist noch nicht fertig. Er soll den Gremien später vorgelegt werden, nachdem der Bebauungsplan schon im Juni 2026 beschlossen wurde.

Kritik

Ein Park-and-Ride-Angebot, das weniger kostenlose Plätze bietet als der Parkplatz, den es ersetzt, ist keine Stärkung. Wenn die Stadt sich an den Kosten eines Parkhauses beteiligt, muss sie dafür mehr bekommen als bisher umsonst da war. Zahl, Zeiten und Dauer der Gratisplätze hätten verbindlich feststehen müssen, bevor Geld und Bebauungsplan beschlossen wurden. Dass die Folgen für die Pendler nicht einmal untersucht wurden, zeigt, wie nachrangig der Umstieg auf die Bahn bei diesem Projekt behandelt wird.

101.20.112: Anfrage Fraktion DIE LINKE Neues Parkhaus und Park-and-Ride-Konzept im Rahmen des Projektes 2. Eissporthalle / "Sportcampus Süd", Ratsinformationssystem der Stadt Kassel, 15. September 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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