1,6 Millionen Euro Verlust für leeres Haus
Eine Tochterfirma der Stadt Leverkusen verlor 2025 mit einem leeren Geschäftshaus in Wiesdorf 1,6 Millionen Euro, erst 60 Prozent sind vermietet
Was ist passiert?
Ende 2023 erwarb die städtische Tochtergesellschaft SEPG das Gebäude am Wiesdorfer Platz 82, kurz Corner82, im Leverkusener Stadtteil Wiesdorf. Die SEPG gehört der städtischen Immobiliengesellschaft LEVI und soll dort eingreifen, wo private Eigentümer städtebauliche Fehlentwicklungen nicht beseitigen. Das Haus war damals an einen einzigen Mieter vergeben.
Dann kam die Insolvenz des Mieters, und der Mietvertrag lief im August 2024 aus. Seither soll das Gebäude zu einem Haus mit mehreren Mietern umgebaut werden. Die offizielle Begründung lautet, so entstehe ein nachhaltigerer, stabilerer und profitablerer Nutzungsmix. Das klingt plausibel, kostet aber zunächst Geld, und zwar reichlich.
Im Jahr 2025 nahm die SEPG keinen Euro an Umsatz ein, im Jahr zuvor waren es noch rund 580.000 Euro. Die Kosten liefen dagegen weiter: Rund 661.000 Euro für Bewirtschaftung, dazu rund 500.000 Euro Zinsen. Am Ende stand ein Jahresfehlbetrag von 1.617.591 Euro. Das sind, durch 365 Tage geteilt, rund 4.400 Euro Verlust an jedem Tag des Jahres. Schon 2024 hatte die Gesellschaft 1.155.738 Euro Verlust gemacht.
Der Umbau verzögerte sich um rund zwölf Monate, laut Lagebericht auch wegen der Berücksichtigung von Mieterwünschen. Fertig sein soll das Gebäude nun bis Ende 2027. Bislang sind rund 60 Prozent der Flächen vermietet. Den Geschäftsverlauf nennt der Bericht dennoch „planmäßig“.
Finanziert wird das Ganze auf Pump: Die SEPG hat Darlehen über 23,7 Mio. Euro aufgenommen, für die die Stadt Leverkusen Sicherungen gegeben hat. Abgerufen waren Ende 2025 bereits 12,9 Mio. Euro. Zusätzlich flossen 2025 noch 2 Mio. Euro Eigenkapital der Stadt über die LEVI in die SEPG. Der Rat soll am 31.8.2026 den Jahresabschluss feststellen, den Fehlbetrag auf neue Rechnung vortragen und der Geschäftsführung Entlastung erteilen.
Kritik
Wer ein Haus mit einem einzigen Mieter kauft, muss damit rechnen, dass dieser Mieter ausfällt, und vor dem Kauf einen Plan für diesen Fall haben. Hier stand das Gebäude nach der Insolvenz leer, die Zinsen und Bewirtschaftungskosten von zusammen rund 1,16 Mio. Euro im Jahr liefen weiter, und der Umbau verzögerte sich um ein Jahr, weil Mieterwünsche erst während der Planung berücksichtigt wurden. Dass die Stadt für Darlehen von 23,7 Mio. Euro geradesteht, während erst 60 Prozent der Fläche vermietet sind, ist ein Risiko, das letztlich die Steuerzahler tragen. Städtische Gesellschaften sollten Umbauten erst beginnen, wenn die Nutzung weitgehend feststeht, und nicht jeden Monat mehr als 130.000 Euro Verlust in Kauf nehmen, bis das Haus voll ist.
2026/0471: Jahresabschluss 2025 der Leverkusener Immobiliengesellschaft mbH (LEVI) und der Stadtteilentwicklungs- und Projektgesellschaft Wiesdorf/Manfort mbH (SEPG) und Entlastung, Ratsinformationssystem der Stadt Leverkusen, 24. August 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.