68.650 Euro für Keime im Leverkusener Bad
Im Freizeitbad CaLevornia in Leverkusen fiel die neue Chlorpumpe nach wenigen Monaten aus, das Trinkwasser kostete seit Oktober 2025 schon 68.650 Euro
Was ist passiert?
Das Freizeitbad CaLevornia steht seit 1998 und bezieht das Trinkwasser für seine Sanitärbereiche aus einem eigenen Brunnen. Eine Chlordosierungsanlage ist dem Brunnen vorgeschaltet und soll dafür sorgen, dass im Bad einwandfreies Wasser ankommt.
Im Oktober 2025 wies eine Routinekontrolle coliforme Bakterien in der Brunnenleitung nach, das Bad wurde vorübergehend geschlossen. Das Beckenwasser sei nicht betroffen gewesen, teilt der Sportpark Leverkusen mit. Erst nach dem Befund sei aufgefallen, dass die Chlordosierung defekt war. Es folgten Abdichtung, Stoßdämpfer und Reinigung der Zwischenspeicher für zusammen 8.150 Euro (4.200 + 1.250 + 2.700) und im November 2025 eine erneuerte Chlordosierungsanlage für rund 23.000 Euro. Sie bekam unter anderem eine neue Dosierpumpe.
Doch im Sommer 2026 lagen die Trinkwasserwerte bei der nächsten Routinekontrolle wieder nicht im Normbereich. Die Ursache: Die Dosierpumpe der erst im November erneuerten Anlage war defekt. Ende Juli ließ der Sportpark den Brunnen für 30.000 Euro reinigen, außerdem wurden Elektroden und eine Dosierpumpe für 3.500 Euro getauscht. Im August kamen 4.000 Euro für die Reinigung der Zwischenspeicher hinzu. Allein das sind 37.500 Euro, gut das Anderthalbfache der neuen Anlage (37.500 : 23.000 ≈ 1,6). Rechnet man alle genannten Posten seit Oktober 2025 zusammen, sind es 68.650 Euro, knapp das Dreifache.
Die AfD-Fraktion fragte im Rat nach, ob erneut Keime aufgetreten seien und deshalb Anfang September geschlossen wurde. Die Stadt verneint das: Vom 7. bis 25. September habe die jährliche Revision stattgefunden. Grundlegende Mängel an den Wasser- und Leitungssystemen lägen nicht vor, zusätzliche Sanierungen seien nicht vorgesehen. Geprüft wird allerdings eine Umstellung auf das Trinkwassernetz der EVL. Was sie kosten würde, ist noch offen.
Kritik
Wer eine Chlordosierung für 23.000 Euro erneuert, darf erwarten, dass ihre zentralen Bauteile mehr als einige Monate halten. Eine Dosierpumpe, die in der ersten Saison ausfällt, ist kaum als normaler Verschleiß zu verbuchen. Bevor weiteres Steuergeld in Reinigungen und Ersatzteile fließt, hätte der Sportpark Einbau und Gewährleistung prüfen und Kosten gegebenenfalls einfordern müssen. Dass keine Sanierung vorgesehen ist, aber zugleich ein ganz neuer Wasseranschluss geprüft wird, wirkt wie Flickwerk. Die Wasserversorgung des Bades braucht eine belastbare Gesamtlösung statt der nächsten Einzelreparatur.
AF/2026/230: Erneute Schließung des Freizeitbades CaLevornia: Wasserqualität, Keimbelastungen und Sanierungsbedarf, Ratsinformationssystem der Stadt Leverkusen, 1. Oktober 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.