Staatsbilanz

Stadt/Leverkusen/Fehlplanung

1,7 Millionen Euro für neue Schulplanung

Leverkusen plant die Grundschule Burgweg nach Jahren neu, weil das Dach des Altbaus die Last nicht trägt, und zahlt dafür 1,7 Millionen Euro

Was ist passiert?

Die Katholische Grundschule Burgweg wurde in den 1960er Jahren gebaut und 1966 erweitert. Sie ist eine Offene Ganztagsschule, doch die Räume reichen nicht mehr aus. Ab dem 1. August 2026 gilt der Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz. Die Schule soll deshalb für vier Züge ausgebaut werden und eine Mensa bekommen. Bis dahin wird unterrichtet, so die Vorlage, in einer Interimslösung.

Den Planungsbeschluss fasste die Stadt schon 2020. Dann stieg das Architekturbüro auf eigenen Wunsch aus dem Projekt aus. Ein neues Team musste per Vergabeverfahren gefunden werden und das Konzept grundlegend überarbeiten. Offizieller Grund: neue Klimaanforderungen, die Gebäude und Energieversorgung der gesamten Liegenschaft betreffen.

Bei der Vertiefung der Planung stellte sich dann heraus, dass das Tragwerk des Altbaus vielem nicht gewachsen ist. Auf dem Dach lassen sich weder Photovoltaikmodule aufstellen noch Begrünung anlegen. Für die geplante Erweiterung wären weitreichende Maßnahmen zur Entlastung des Tragwerks nötig. Zudem müsste die Wärmepumpe so groß ausgelegt werden, dass sie auch die unsanierten Altgebäude mitversorgt. Die Stadt nennt das selbst „unerwartet aufwendig“.

Nun soll statt der Sanierung ein Neubau geplant werden, und zwar mit 700.000 Euro in 2026 und 1,0 Mio. Euro in 2027, zusammen 1,7 Mio. Euro. Der Neubau sieht zwei Geschosse mit je zwei Clustern zu vier Klassen vor, also 16 Klassen. Das macht rechnerisch rund 106.000 Euro zusätzliche Planung je Klasse (1,7 Mio. : 16).

Die bisherige Variante lag mit abgeschlossener Vorplanung samt Kostenschätzung vor. Der Neubau existiert bisher nur als Konzept. Einen großen Kostenunterschied zwischen beiden erwartet die Stadt nicht, die Gegenüberstellung ist aber nichtöffentlich. Der erste Bauabschnitt der Sanierung sollte Anfang 2030 fertig sein. Der Neubau soll erst Ende 2031 stehen, knapp zwei Jahre später, mit Baubeginn im Sommer 2029.

Kritik

Dass das Tragwerk eines Gebäudes aus den 1960er Jahren die Anforderungen an Dach, Hülle und Technik nicht trägt, hätte vor dem Planungsbeschluss geklärt werden müssen, nicht erst nach Jahren der Planung. Nun wird eine fast fertige Vorplanung zur Seite gelegt und für 1,7 Mio. Euro neu begonnen. Währenddessen müssen Kinder trotz Rechtsanspruch weiter in Interimsräumen lernen. Bei künftigen Schulprojekten im Bestand sollte eine Bestandsuntersuchung des Tragwerks am Anfang stehen, bevor Planungsmittel fließen.

2025/3500: Erweiterung und Sanierung KGS Burgweg, Burgweg 38, Leverkusen - Konzeptplanung, Ratsinformationssystem der Stadt Leverkusen, 20. April 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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