14 Millionen für zwei Kitas in Leverkusen
Aus einer Kellerreparatur wird in Leverkusen eine Sanierung für 14 Millionen Euro, gedeckt sind erst 1,4 Millionen, die Kitas stehen leer
Was ist passiert?
Im Stadtteil Wiesdorf, direkt an der Dhünn, stehen zwei baugleiche zweigeschossige Gebäude, die 1963 als Knabenschule errichtet wurden. Seit 1994 beherbergen sie Kindertagesstätten mit je vier Gruppen. In den vergangenen Jahren standen beide Häuser wegen baulicher Mängel leer.
Angefangen hat alles im Keller. Bei einer stadtweiten Untersuchung sogenannter Kriechkeller, also nicht nutzbarer Hohlräume unter dem Gebäude, fiel 2014 auf, dass das Betontragwerk der Kitas mittelfristig saniert werden muss. Die Stadt plante und schrieb die Arbeiten aus und warb Fördermittel von 922.250 Euro ein. Das Geld wurde nach der Betonsanierung im Keller vereinnahmt, ist aber an den Weiterbetrieb als Kita gebunden. Andernfalls müsste es voll zurückgezahlt werden.
Dann kam eine Brandschutz-Begehung, dann Flut, Corona-Pandemie und eine Explosion in der Müllverbrennungsanlage. Jedes Ereignis brachte neue Anforderungen mit sich, vor allem bei der Haustechnik und beim Seveso-Schutz. Ein neues Sanierungskonzept musste her. 2022 starb zudem der Objektplaner, das Planungsteam wurde nach einem Vergabeverfahren komplett neu aufgestellt.
Heraus kommt nun eine Komplettsanierung mit neuer Haustechnik, gedämmter Hülle und einem eigenen Technikgebäude. Es soll die Anlagen flutsicher aufnehmen, weil der Keller als Standort ausscheidet. Die Kostenberechnung liegt bei 11,3 Mio. Euro. Mit 3 Prozent Preissteigerung und 20 Prozent Risikozuschlag sind es rund 14 Mio. Euro (11,3 Mio. x 1,03 x 1,2 = 13,97 Mio.). Je Gruppe, es sind insgesamt acht, macht das 1,75 Mio. Euro (14 Mio. : 8). Fertig sein soll alles im September 2029, 15 Jahre nach dem ersten Befund im Keller.
Gedeckt ist davon bislang wenig: Im Finanzplan stehen nur 1,4 Mio. Euro, also zehn Prozent. Die übrigen 12,6 Mio. Euro will die Stadt für den Haushalt 2026 anmelden. Weil dieser erst im Frühjahr 2026 aufgestellt wird, soll die Bezirksregierung Köln einem vorzeitigen Maßnahmenbeginn zustimmen.
Kritik
Aus einem überschaubaren Betonschaden im Keller wurde über ein Jahrzehnt ein Millionenprojekt, während zwei Kita-Gebäude ungenutzt dastanden. Wer 2014 einen mittelfristigen Sanierungsbedarf feststellt, sollte die Gebäude als Ganzes betrachten und nicht erst Brandschutz, Hochwasser und Haustechnik nacheinander entdecken. Eine frühe Gesamtplanung hätte die Teilsanierung im Keller womöglich überflüssig gemacht oder zumindest in eine Lösung eingebettet. Nun muss die Stadt für ein Vorhaben mit 12,6 Mio. Euro ungedeckten Kosten eine Ausnahmegenehmigung beantragen, weil rechtzeitige Haushaltsvorsorge fehlte.
2025/3514: Kita Dhünnstraße Brandschutz- und Sevesoertüchtigung, Dhünnstraße 12 a/c in Leverkusen, Ratsinformationssystem der Stadt Leverkusen, 22. Januar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.