Leverkusen: Hallenbad für 19 Millionen Euro
Leverkusen will für 19 Millionen Euro ein neues Hallenbad bauen, weil die Sanierung statt 5,9 nun 11,4 Millionen kosten sollte
Was ist passiert?
Das Hallenbad Bergisch Neukirchen wurde 1973 gebaut. Es hat ein 25-Meter-Becken mit Sprungturm und ein Nichtschwimmerbecken und steht an sieben Tagen pro Woche Schulklassen, Vereinen und den Kursen der städtischen Schwimmschule offen. Einen offenen Badebetrieb gibt es dort nicht. Eigentlich sollte das Bad saniert werden.
Dafür bewilligte der Bund im August 2023 eine Förderung von 2,619 Mio. Euro. Die Kosten waren damals auf 5,93 Mio. Euro geschätzt, der städtische Eigenanteil auf 3,31 Mio. Euro. Dann ergab die Kostenberechnung vom April 2025 plötzlich 11,44 Mio. Euro, fast das Doppelte (11.443.524 geteilt durch 5.930.580 ergibt rund 1,9). Der Bund lehnte eine höhere Förderung ab, der Eigenanteil hätte bei 8,82 Mio. Euro gelegen. Das war dem Rat für ein mehr als 50 Jahre altes Gebäude zu viel. Im Juli 2025 beendete er die Sanierung, die Förderung wurde rückabgewickelt.
Stattdessen soll am selben Standort ein Ersatzneubau entstehen, veranschlagt mit rund 19 Mio. Euro. Der Bund soll höchstens 8 Mio. Euro geben, das sind rechnerisch nur gut 42 Prozent (8 geteilt durch 19), obwohl das Programm bis zu 75 Prozent vorsieht. Bei der Stadt bleiben mindestens 11 Mio. Euro hängen, also gut 2 Mio. Euro mehr als bei der Sanierung, die als unwirtschaftlich verworfen wurde. Dabei sind Ersatzneubauten im Programm nur dann förderfähig, wenn sie nachweislich wirtschaftlicher sind als die Sanierung. Ein erster Anlauf im Januar 2026 scheiterte, das Projekt wurde nicht ausgewählt. Nun soll der Rat am 29. Juni 2026 den nächsten Antrag beschließen.
Den Eigenanteil will die Stadt aus Landesmitteln nach dem NRW-Infrastrukturgesetz decken. Sie räumt selbst ein, dass dies als unzulässige Doppelförderung gelten könnte. Dann müsste der Sportpark oder der städtische Kernhaushalt einspringen. Hinzu kommen Folgekosten von grob 4 Prozent der Bausumme, bei 19 Mio. Euro wären das 760.000 Euro im Jahr. Gebaut werden könnte frühestens ab Ende 2027, das alte Bad hält laut Statikgutachten höchstens noch fünf Jahre. Die Verwaltung führt an, dass Schul- und Vereinsschwimmen ohne das Bad nicht zu ersetzen seien.
Kritik
Die Kosten der Sanierung wurden anfangs so knapp geschätzt, dass sie sich bis 2025 fast verdoppelten und eine bewilligte Bundesförderung am Ende zurückgegeben werden musste. Nun soll ein Neubau mit höherem Eigenanteil das Problem lösen, das die Stadt bei der Sanierung für untragbar hielt. Dass die Deckung auf Landesmitteln beruht, deren Verwendung die Stadt selbst für womöglich unzulässig hält, ist ein riskantes Fundament für ein 19-Mio.-Euro-Projekt. Vor dem Ratsbeschluss hätte gesichert sein müssen, dass der Neubau wirklich günstiger ist und die Finanzierung trägt, und die Verwaltung hätte auch eine kleinere Lösung prüfen müssen, die den Haushalt weniger belastet.
2026/0410: Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten 2026 - Schwimmbäder“, Ratsinformationssystem der Stadt Leverkusen, 18. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.