Staatsbilanz

Stadt/Leverkusen/Fehlplanung

Leverkusen plant Schule, die nicht kommt

Leverkusen gibt 1,5 Millionen Euro für die Sanierung der Astrid-Lindgren-Schule frei, obwohl die Stadt dort einen Neubau will

Was ist passiert?

Die Astrid-Lindgren-Schule im Leverkusener Stadtteil Steinbüchel ist eine Grundschule aus den Jahren 1958 bis 1960. Sie wurde nie umfassend saniert und gilt als dringend sanierungsbedürftig. Im Herbst 2025 legte ein Wasserschaden im südlichsten Trakt erhebliche statische Schäden an der Holzbalkendecke frei. Mensa und Nachmittagsbetreuung mussten ausziehen, der Gebäudeteil ist geschlossen.

Nun soll die Stadt weitere 1,5 Mio. Euro Planungsmittel bereitstellen, um die Planung bis zum Baubeschluss fortzuführen. Grundlage ist eine Vorplanung für Sanierung und Erweiterung, die mit 45,8 Mio. Euro veranschlagt wird, darin ein Risikozuschlag von 17 Prozent und eine Indexierung von 10 Prozent. Ein Aachener Architekturbüro ist dafür seit Juli 2024 für die Leistungsphasen 1 und 2 beauftragt.

Doch im selben Beschluss soll die Planung auf einen Neubau umgestellt werden. Der Altbau ist nur stichprobenhaft untersucht, welche Eingriffe bei Statik, Brandschutz und Abdichtung nötig werden, zeigt sich erst in der Entwurfsplanung. Ein Neubau sei, so die Verwaltung, nur geringfügig teurer. Wird lediglich der Klassenriegel neu geplant, soll die Schule Anfang 2031 fertig sein. Bei einer vollständigen Umplanung verschiebt sich das um rund anderthalb Jahre. Was der Neubau kostet, steht nur in einer nichtöffentlichen Anlage. Beschlossen werden soll also eine Kostenzahl für eine Variante, die man nicht bauen will.

Dazu kommt die Finanzierung. Die Investitionen übersteigen die Einzahlungen laut Haushalt 2025 in den Jahren 2025 bis 2028 um 123, 140, 110 und 70 Mio. Euro, zusammen also 443 Mio. Euro (123 + 140 + 110 + 70). Das geht nur über Kredite, die die Bezirksregierung genehmigen muss. Die dafür nötige Prioritätenliste gibt es noch nicht. Die Verwaltung geht davon aus, dass die Schule dort einen Spitzenplatz belegen wird, und will vorab beschließen lassen. Allein die Abschreibung würde die Stadt bei 50 Jahren Nutzung mit rund 0,9 Mio. Euro jährlich belasten (45,8 Mio. geteilt durch 50 sind etwa 0,92 Mio.).

Kritik

Dass für eine Sanierungsvariante Planungsgeld bewilligt wird, während schon feststeht, dass sie durch einen Neubau ersetzt werden soll, ist schwer zu vermitteln. Ein Altbau aus den 1960er Jahren, der nur stichprobenhaft untersucht wurde, hätte vor der Vorplanung gründlicher geprüft werden müssen. So droht ein Teil der bisherigen Arbeit wertlos zu werden, und die Schule bekommt ihre Räume später. Bei einer Stadt, die ihre Investitionen fast vollständig über Kredite finanzieren muss, sollte die Variante feststehen, bevor weitere Planungsmillionen fließen.

2025/0054: Sanierung und Erweiterung der GGS Astrid-Lindgren-Schule, Brandenburger Str. 26, 51377 Leverkusen - Planungsbeschluss, Ratsinformationssystem der Stadt Leverkusen, 26. Januar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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