Leverkusen zahlt 1,4 Millionen Euro drauf
Die städtische Wirtschaftsförderung in Leverkusen verlor 2025 bei 0,7 Millionen Euro Einnahmen 1,4 Millionen Euro, 2026 sollen es 1,6 Millionen sein
Was ist passiert?
Wenn eine Stadt Unternehmen ansiedeln, Gründer beraten und Standorte vermarkten will, braucht sie dafür eine Wirtschaftsförderung. Leverkusen leistet sich dafür die WfL, eine GmbH, die der Stadt seit 2024 zu 100 Prozent gehört. Sie betreut Start-ups, berät Betriebe und vermietet Büros in zwei eigenen Häusern, dem Probierwerk und dem Bioplex. Zu ihren Zielen zählt laut Lagebericht ausdrücklich auch die „Unterstützung der Stadt Leverkusen in der Krisensituation Haushalt“.
Die Bilanz zeigt allerdings, wer hier wen unterstützt. 2025 nahm die WfL 703.441 Euro an Umsatzerlösen ein, der Jahresfehlbetrag lag bei 1.395.283,70 Euro, also fast doppelt so hoch (1.395 : 703 ≈ 1,98). Das entspricht rechnerisch rund 3.800 Euro Verlust an jedem Tag des Jahres (1.395.284 € : 365). Im Vorjahr waren es 1.499.597,13 Euro. Ausgeglichen wird der Verlust aus der Kapitalrücklage, die um genau diesen Betrag wuchs, von 2.464.930,08 auf 3.860.214,08 Euro.
Auch die Vermietung läuft nicht rund. Das Bioplex war Ende März 2026 nur zu rund 70 Prozent vermietet. Der Leerstand sei kein Nachteil, heißt es im Lagebericht, denn so könne man Firmen mit vielen Beschäftigten kurzfristig eine Fläche anbieten, bevor diese in Neubauten ziehen. Das Probierwerk ist zwar voll vermietet, doch die WfL nutzt dort 6 der 14 vermietbaren Büroflächen selbst.
Für 2026 plant die Gesellschaft einen noch höheren Verlust von 1,628 Mio. Euro, rund 233.000 Euro oder 17 Prozent mehr als 2025 (1.628 − 1.395). Gründe sind Fremdleistungen für einen städtischen Corporate-Governance-Kodex, eine Ausschreibung der Geschäftsführung, die Personalkosten einer nun zweiköpfigen Geschäftsführung und Print-Marketing nach dem Wechsel an der Spitze. Die Zahl der Beschäftigten sinkt dagegen von 12 auf 10. Zusammen kommen 2024 bis 2026 knapp 4,5 Mio. Euro Verlust zusammen (1,50 + 1,40 + 1,63). Der Rat soll am 31. August 2026 den Abschluss feststellen und die Entlastung erteilen.
Kritik
Eine Wirtschaftsförderung darf Geld kosten, doch ein Verlust, der doppelt so hoch ist wie die eigenen Einnahmen, und das seit Jahren in gleicher Größenordnung, ist ein Dauerzustand und kein Ausrutscher. Dass der Verlust 2026 trotz weniger Personal um rund ein Sechstel steigen soll, ist nicht nachvollziehbar, zumal ein Teil der Mehrkosten auf Verwaltung, Ausschreibung und Werbung entfällt. Ein Bürohaus, das zu 30 Prozent leer steht, und eine Stadt, die den Ausgleich Jahr für Jahr zahlt, brauchen klare Ziele für Auslastung und Zuschussobergrenze. Wer selbst Haushaltsnot beklagt, sollte den Zuschuss an seine Wirtschaftsförderung nicht einfach fortschreiben.
2026/0437: Jahresabschluss 2025 der WfL Wirtschaftsförderung Leverkusen GmbH (WfL) und Entlastung, Ratsinformationssystem der Stadt Leverkusen, 24. August 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.