Versprochen: 1.000 Bäume, gepflanzt: 21
Leverkusen wollte seit 2019 jedes Jahr 1.000 Bäume pflanzen, 2025 kamen nur 21 an Straßen und in Parks in die Erde
Was ist passiert?
Die Stadt hat nach eigener Auskunft bereits einen sehr dichten Baumbestand. Im Oktober 2019 beschloss der Rat auf Antrag der Fraktion BÜRGERLISTE trotzdem, jährlich 1.000 Bäume pflanzen zu wollen, als Teil einer „Kampagne für mehr Grün in dieser Stadt“. Die Verwaltung erklärt heute, die Zahl sei „lediglich symbolisch“ gemeint gewesen und ohnehin „illusorisch“. Für große Bäume fehle es an Standorten, weil dort Leitungen für Strom, Gas, Fernwärme und Breitband sowie Kanäle im Boden liegen.
Die Bilanz der Stadt zeigt, wie weit Ziel und Wirklichkeit auseinanderlagen. Bei den Straßen- und Parkbäumen wurden 2020 noch 234 Stück gepflanzt, 2021 waren es mit 288 der Höchstwert. Selbst das war weniger als ein Drittel der Zielmarke. Danach ging es bergab: 202 im Jahr 2023, 149 im Jahr 2024 und schließlich nur noch 21 im Jahr 2025. Das sind rund 91 Prozent weniger als 2020 (21 geteilt durch 234 ergibt etwa 0,09). Als Grund nennt die Verwaltung gekürzte Finanzmittel in den Jahren 2024 und 2025. Wie hoch diese waren, geht aus der Vorlage nicht hervor.
Dass die Gesamtzahlen in der Tabelle der Stadt zeitweise deutlich über 1.000 liegen, liegt allein an Forstpflanzungen, etwa 10.000 im Jahr 2020. Mit dem städtischen Grün im Straßenraum hat das wenig zu tun. Im Stadtwald wurde zuletzt 2023 gepflanzt, weil alle vom Borkenkäfer geschädigten Flächen wieder bestockt sind.
Nun soll Geld von außen die Lücke schließen: Aus dem „Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz“ erhielt die Stadt einen Zuwendungsbescheid über 1.704.000 Euro für Baumpflanzungen und Standortsanierungen. Die ersten Maßnahmen sollen im Winter 2026/2027 umgesetzt werden. Ein 2024 beauftragtes Stadtbaumkonzept, das neue Straßenbaumstandorte finden soll, ist den politischen Gremien noch nicht vorgelegt worden.
Kritik
Ein Ratsbeschluss mit einer Zahl, die nach eigener Darstellung nie ernst gemeint war, ist Symbolpolitik und kein Klimaschutz. Wer 1.000 Bäume im Jahr verspricht, dann die Mittel kürzt und 2025 nur 21 pflanzt, hat das Ziel aufgegeben, ohne es offen zu sagen. Ein erreichbares Ziel mit gesicherter Finanzierung und geprüften Standorten wäre ehrlicher gewesen, und das Stadtbaumkonzept hätte vor der Mittelkürzung vorliegen müssen. Dass nun ein Förderbescheid die Pflanzungen retten soll, ändert nichts daran, dass die Stadt ihr eigenes Vorhaben zuvor selbst ausgebremst hat.
BK/2026/332: 1000 Bäume, Ratsinformationssystem der Stadt Leverkusen, 1. Juli 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.