Wachdienst kostet fast 2 Millionen Euro
Leverkusen zahlt für die Bewachung eines Flüchtlingsheims in Steinbüchel mit 144 Bewohnern 1,98 Millionen Euro im Jahr, zehnmal so viel wie fürs Personal
Was ist passiert?
Leverkusen betreibt sechs städtische Sammelunterkünfte für Geflüchtete und Menschen ohne eigenen Wohnraum. Eine Anfrage im Stadtrat zwang die Verwaltung im März 2026, die jährlichen Kosten je Standort offenzulegen. Dabei fällt eine Zeile aus dem Rahmen: der Sicherheitsdienst.
Am teuersten ist er in der Unterkunft Heinrich-Lübke-Straße 140a im Stadtteil Steinbüchel. Dort lebten Ende Februar 2026 144 Menschen bei einer Auslastung von 96 Prozent. Für den Sicherheitsdienst weist die Stadt 1.982.710 Euro im Jahr aus. Die Personalkosten der Unterkunft betragen 186.486 Euro, die Betriebskosten 693.836 Euro. Der Wachdienst kostet damit gut das 10,6-Fache des Personals (1.982.710 : 186.486) und macht rund 69 Prozent der drei Posten zusammen aus (1.982.710 von 2.863.032 Euro).
Je Bewohner sind das knapp 13.800 Euro im Jahr (1.982.710 : 144), also etwa 38 Euro am Tag. Zum Vergleich: In der Sandstraße in Opladen leben 345 Menschen, der Sicherheitsdienst kostet dort 1.024.037 Euro. Das sind rund 2.970 Euro je Bewohner, weniger als ein Viertel des Werts in Steinbüchel.
Das Muster zieht sich durch die Stadt. Für alle sechs Unterkünfte zusammen nennt die Verwaltung gut 7,87 Mio. Euro für Sicherheit, aber nur rund 1,15 Mio. Euro für Personal. Die Landeszuweisungen nach dem Flüchtlingsaufnahmegesetz beliefen sich 2025 auf rund 2,07 Mio. Euro. Der Wachdienst kostet also fast das Vierfache dessen, was das Land für das gesamte Jahr zahlte (7,87 : 2,07). Dabei begründete die Anfragende die Auskunft ausdrücklich mit der angespannten Haushaltslage der Stadt.
Kritik
Ein Sicherheitsdienst, der zehnmal so viel kostet wie das Personal, das sich um die Menschen kümmert, steht in keinem vernünftigen Verhältnis. Bei einer Stadt mit angespannter Haushaltslage muss der Umfang der Bewachung auf das tatsächlich Nötige begrenzt werden. Die großen Unterschiede zwischen den Standorten zeigen, dass es auch mit deutlich weniger Aufwand geht. Der Vertrag gehört neu verhandelt oder ausgeschrieben, und Wachzeiten und Kräftezahl sollten sich am tatsächlichen Bedarf der Unterkunft orientieren.
AF/2026/166: Gesamtübersicht und aktuelle Kosten der Asylbewerber- und Flüchtlingsunterbringung in Leverkusen, Ratsinformationssystem der Stadt Leverkusen, 1. März 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.