410.000 Euro für Eidechsen-Umzug
Ludwigshafen zahlt in der Gartenstadt 410.000 Euro für ein Gehege mit 379 umgesiedelten Eidechsen, doch ob sie sich vermehren, prüft niemand
Was ist passiert?
In der Ludwigshafener Gartenstadt sollen neue Baufelder erschlossen werden, und auf manchen davon leben Mauereidechsen. Die Tiere gehören zu einer geschützten Art. Wer bauen will, muss sie deshalb zuvor von der Fläche holen und anderswo ansiedeln. Dafür wurde in der Gartenstadt ein eigenes Habitat angelegt.
Was das gekostet hat, teilte die Verwaltung auf eine Anfrage der CDU-Fraktion im Ortsbeirat mit. Die Errichtung kostete rund 380.000 Euro, darin enthalten ist die Anwuchspflege bis zur Übergabe an die Stadt. Bisher wurden 379 Mauereidechsen abgefangen und auf die Fläche umgesetzt. Das macht rechnerisch gut 1.000 Euro je Tier (380.000 Euro geteilt durch 379 ergibt rund 1.003 Euro).
Ob sich die Echsen dort vermehren, wird sich erst in diesem Jahr zeigen, wenn sie zum ersten Mal Eier legen. Untersucht wird das nicht, man habe bei den Begehungen lediglich „ein Auge darauf“. Als ökologischen Erfolg verbucht die Verwaltung das Habitat trotzdem „auf alle Fälle“.
Die Tiere und die Fläche brauchen vor allem Ruhe. Daran hapert es: Sträucher wurden durch Vandalismus zerstört und müssen ersetzt werden, auch Spaziergänger missachten die ausgewiesenen Flächen. Die Beseitigung der Schäden kostet etwa 30.000 Euro. Damit liegen die Gesamtkosten bei rund 410.000 Euro, also bei gut 1.080 Euro je Eidechse (410.000 Euro geteilt durch 379). Hinweistafeln gab es bereits, nun sollen weitere Schilder folgen und gegebenenfalls der kommunale Vollzugsdienst um Amtshilfe gebeten werden.
Immerhin die Mahd kostet derzeit nichts: Ein Pferdehalter übernimmt sie und erhält dafür das Heu. Die künftige Pflege soll bei der Stadt liegen, weitere Kosten außer durch Vandalismus erwartet die Verwaltung nicht. Neue Umsiedlungen stehen aber an, etwa für das BASF-Gleis der Bahn, die Straßenbahnlinie Richtung Oppau und den Rückbau des Nordbrückenkopfs, der im August 2026 beginnen soll. Dort setzt die Verwaltung zunächst auf Vergrämung: Die Eidechsen sollen durch lautes Betreten der Fläche selbst abwandern, sodass weniger Tiere eingefangen werden müssen.
Kritik
Gut 1.000 Euro je umgesiedelter Eidechse sind ein hoher Preis, zumal niemand prüft, ob sich die Tiere im neuen Habitat überhaupt halten und vermehren. Wer von einem Erfolg spricht, sollte ihn auch messen. Dass nach der Fertigstellung rund 30.000 Euro für zerstörte Sträucher hinzukommen, zeigt, dass der Schutz der Fläche nicht von Anfang an mitgedacht wurde. Hinweise und Absicherung gehören vor der Besiedlung eingeplant und nicht erst nach dem Schaden, und bei den weiteren Baufeldern sollte die günstigere Vergrämung konsequent Vorrang haben.
20261494: Anfrage der CDU-Ortsbeiratsfraktion; Eidechsenhabitat in der Gartenstadt, Ratsinformationssystem der Stadt Ludwigshafen am Rhein, 24. April 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.