Staatsbilanz

Stadt/Ludwigshafen am Rhein/Fehlender Bedarf

70.000 Euro Miete für einen Infoladen

Ludwigshafen mietet für 70.000 Euro einen Laden im Einkaufszentrum und kürzt dafür Lichtshow und Sauberkeitstage um 190.000 Euro

Was ist passiert?

Ludwigshafen baut seine Innenstadt um: Die Hochstraße Nord wird abgerissen, eine neue Stadtstraße entsteht, und der Abschluss der Arbeiten ist erst für Anfang der 2030er Jahre geplant. Damit die Bürger das gelassen nehmen, bekam die Stadt aus dem Förderprogramm „Innenstadt Impulse 3“ des Landes Rheinland-Pfalz 430.000 Euro für Lichtinszenierungen, Aktionstage und Sauberkeitskampagnen bewilligt.

Nun soll umgeschichtet werden. Das Budget für die zehntägige Lichtinszenierung „Lichtblicke LU“ sinkt von 355.000 auf 200.000 Euro, das für die Aktionstage Sauberkeit von 75.000 auf 40.000 Euro. Zusammen sind das 190.000 Euro weniger (155.000 plus 35.000). Davon fließen 50.000 Euro in weitere kleine Aktionstage, die übrigen 140.000 Euro in ein „Pop-Up-Infocenter Zukunft Innenstadt“ samt Kommunikationsmaßnahmen.

Das Infocenter soll in einem leeren Ladenlokal der Rhein-Galerie entstehen, einem privaten Einkaufszentrum. Der Kostenplan sieht 70.000 Euro für Miete und Nebenkosten vor, 30.000 Euro für Infotafeln, Visualisierungen und Betreuungspersonal sowie 40.000 Euro für Druckmaterial und Social-Media-Beiträge. Die Miete allein ist damit mehr als doppelt so hoch wie alles, was für Gestaltung und Betreuung des Ladens eingeplant ist (70.000 : 30.000 = rund 2,3). Und sie liegt fast doppelt so hoch wie das, was von den Sauberkeitstagen übrig bleibt (70.000 : 40.000 = 1,75).

Die Stadt will mit einer Ansprechperson vor Ort um Verständnis für die Baustellen werben und Besucher in die Innenstadt lenken. Die Rhein-Galerie sei der Treffpunkt mit der höchsten Besucherfrequenz, zudem werde ein Leerstand wieder genutzt. Das mag man so sehen. Seltsam bleibt, dass die Stadt ausgerechnet in einem Einkaufszentrum Miete zahlt, um Menschen von dort in die Innenstadt zu schicken. Der Hauptausschuss empfahl am 15. Juni 2026 bei einer Enthaltung die Zustimmung, der Stadtrat sollte am 22. Juni entscheiden.

Kritik

Fördergeld für die Belebung der Innenstadt landet zur Hälfte als Miete beim Betreiber eines privaten Einkaufszentrums, das ohnehin die meisten Besucher anzieht. Wer über Baustellen informieren will, braucht dafür keinen eigenen Laden, denn Bürgersprechstunden und Schautafeln lassen sich auch in städtischen Räumen anbieten. Gleichzeitig werden Lichtblicke und Sauberkeitstage gekürzt, also genau die Angebote, die die Bürger tatsächlich sehen und erleben. Das Geld wäre dort besser angelegt als in einer Ladenmiete.

20261664: Fördermittelmanagement: Modellvorhaben „Innenstadt-Impulse“ - Änderungsantrag zu den Innenstadt-Impulsen 3 (2025-2027), Ratsinformationssystem der Stadt Ludwigshafen am Rhein, 15. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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