Staatsbilanz

Stadt/Mannheim/Kostensteigerung

Kita-Zuschuss ohne Kita-Betreiber

Mannheim will einer Stiftung bis zu 3,395 Mio. Euro für eine Kita zahlen, 945.000 Euro mehr als 2022 zugesagt, obwohl noch niemand die Kita betreiben will.

Was ist passiert?

In der Alberichstraße im Stadtteil Niederfeld sollen nach der städtischen Standortplanung sieben Kitagruppen entstehen. Gebaut wird von einem freien Investor, der Theodor Fliedner Stiftung. Die Stadt gibt einen Zuschuss, damit die Miete und damit die Elternbeiträge niedriger ausfallen. Geplant war seit 2021 ein Haus für Jung und Alt: betreutes Seniorenwohnen und darunter eine Inklusionskita. Das Grundstück verkaufte die Stadt im September 2022 für rund 3,5 Mio. Euro, mit der Auflage, dass dort eine Kita in gemeinnütziger Trägerschaft entsteht. Im selben Jahr stellte sie einen Zuschuss von 2,45 Mio. Euro in Aussicht.

Ende 2024 sprang der inklusive Träger ab, das Konzept war damit hinfällig. Die Stiftung plante um, nun soll es eine gewöhnliche Kita werden. Wer sie betreibt, war im August 2025 offen. Die Verwaltung hilft bei der Suche und nennt die ersten Gespräche „positiv“. Den Bauantrag hatte die Stiftung da bereits im Juli 2025 gestellt, eröffnen soll die Kita im Herbst 2027.

Für den Neustart soll die Stadt nun bis zu 3,395 Mio. Euro zahlen. Grundlage ist eine Förderrichtlinie von 2023, die bis zu 485.000 Euro je Gruppe vorsieht. Weil alle sieben Gruppen im Kindergartenstandard gebaut werden, auch die späteren Krippengruppen, gibt es den Höchstsatz siebenmal. 2022 waren es rechnerisch noch 350.000 Euro je Gruppe (2,45 Mio. Euro geteilt durch 7). Gruppen kommen keine hinzu, der Zuschuss steigt trotzdem um 945.000 Euro. Je Kind sind das rund 28.000 bis 31.000 Euro (3,395 Mio. Euro geteilt durch 120 oder 110 Plätze). Einen vorzeitigen Baubeginn erlaubt die Vorlage ausdrücklich, ohne dass die Förderung wackelt. Über die Vorlage sollte der Gemeinderat am 30. September 2025 entscheiden.

Unterm Strich fließt fast der gesamte Grundstückserlös als Zuschuss an den Käufer zurück. Von rund 3,5 Mio. Euro blieben der Stadt rechnerisch etwa 105.000 Euro.

Kritik

Fast 3,4 Mio. Euro für eine Kita zuzusagen, für die es noch keinen Betreiber gibt, ist ein Vorschuss auf Hoffnung. Die Stadt hätte den Zuschuss erst bewilligen sollen, wenn ein gemeinnütziger Träger vertraglich feststeht, statt zugleich den vorzeitigen Baubeginn freizugeben. Dass das gescheiterte erste Konzept am Ende fast eine Million Euro mehr kostet, ohne dass ein einziger Platz hinzukommt, ist den Steuerzahlern schwer zu erklären. Wer ein Grundstück verkauft und den Erlös beinahe vollständig als Förderung zurückgibt, muss zumindest sicherstellen, dass dort auch wirklich Kinder betreut werden.

V412/2025: Ausbau des vorschulischen Kinderbetreuungsangebots: Investive Förderung des Neubaus in der Ausführung durch den Investor Theodor Fliedner Stiftung im Stadtteil Niederfeld, Ratsinformationssystem der Stadt Mannheim, 23. September 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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