Staatsbilanz

Stadt/Mannheim/Fehlender Bedarf

60.000 Euro Betreuung für 80-Cent-Jobs

Mannheim gibt 73.000 Euro aus einem gescheiterten Projekt für 80-Cent-Jobs von Geflüchteten weiter, 60.000 davon für eine halbe Betreuerstelle

Was ist passiert?

Nach dem Asylbewerberleistungsgesetz sollen Asylbewerber und Geduldete gemeinnützige Arbeit leisten können, etwa bei Wohlfahrtsverbänden. Sie erhalten dafür 80 Cent je Stunde. Der Mannheimer Gemeinderat wollte solche Arbeitsgelegenheiten ausbauen. Er bewilligte dem Gemeinschaftswerk Arbeit und Umwelt e. V. für einen Stadtteilservice im Osten der Stadt 75.000 Euro für 2025 und 150.000 Euro für 2026. Die Räume in der Spreewaldallee stellte die Stadt kostenlos zur Verfügung.

Am 1. August 2025 fiel der Startschuss. Angestrebt waren 19 Teilnehmer, doch so viele fanden sich nicht. Daran änderte weder die Unterstützung durch die städtische Flüchtlingshilfe und die Verfahrensberater etwas noch die Werbung zufriedener Teilnehmer in den Unterkünften. Viele Geflüchtete saßen in Integrationskursen oder suchten lieber reguläre Arbeit. Andere scheuten den täglichen Weg in die Spreewaldallee. Nach acht Monaten wurde das Projekt zum 31. März 2026 beendet. Neben den 75.000 Euro für 2025 waren bis dahin weitere 37.500 Euro aus dem Ansatz für 2026 verbraucht.

Übrig blieben 112.500 Euro. Zurück in den Haushalt flossen sie nicht. Die Verwaltung suchte gemeinsam mit freien Trägern nach einer neuen Verwendung und wurde beim Caritasverband fündig. Dieser will 15 bis 20 Geflüchtete im Secondhandkaufhaus, in der Küche, in der Hausmeisterei und im Garten einsetzen, jeweils 15 bis 20 Stunden pro Woche und in der Regel für sechs Monate. Ein Jahr Laufzeit soll 73.000 Euro kosten. Laut Vorlage entstehen damit keine neuen Kosten, denn das Geld sei ja bereits bewilligt.

Der größte Posten ist eine halbe Sozialarbeiterstelle für Koordination und Begleitung. Sie kostet 52.300 Euro zuzüglich 15 Prozent Verwaltungskosten, zusammen also 60.145 Euro oder gut 82 Prozent der Gesamtsumme. Bei 20 Plätzen entfallen damit rund 3.000 Euro Koordination auf jeden Platz, bei 15 Plätzen gut 4.000 Euro. Wer ein halbes Jahr lang 20 Stunden pro Woche arbeitet, erhält dagegen rund 416 Euro Aufwandsentschädigung (26 Wochen mal 20 Stunden mal 0,80 Euro). Die Verwaltung hält die Stelle für angemessen, weil das Gesetz für die Betreuung keine Pauschale vorsieht.

Kritik

Ein Projekt scheitert am Mangel an Teilnehmern, und das übrig gebliebene Geld wird nicht eingespart, sondern direkt dem nächsten Träger zugewiesen. Die Rechnung, bereits bewilligtes Geld verursache keine neuen Kosten, ist reine Haushaltslogik, denn bezahlt wird es trotzdem von den Steuerzahlern. Wenn gut vier von fünf Euro in die Koordination fließen und den Teilnehmern ein Bruchteil davon bleibt, steht der Verwaltungsaufwand in keinem Verhältnis zur Arbeit, die tatsächlich geleistet wird. Die Stadt hätte die Mittel an tatsächlich besetzte Plätze knüpfen und den Rest an den Haushalt zurückgeben sollen.

V414/2026: Schaffung von Arbeitsgelegenheiten für Geflüchtete in Einrichtungen des Caritasverbands Mannheim e. V. und Vermittlung von Interessent*innen, Ratsinformationssystem der Stadt Mannheim, 17. September 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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