Staatsbilanz

Stadt/Mannheim/Finanzrisiko

Mannheim gibt Klinik ab, behält das Risiko

Mannheim steht weiter allein für 65 Mio. Euro Kredite seines Krankenhauses gerade, obwohl es fast 90 Prozent an Heidelberg abgibt

Was ist passiert?

Seit 1997 betreibt Mannheim sein Universitätsklinikum als städtische GmbH. Das Haus ist Maximalversorger für die Stadt und bildet Medizinstudenten der Universität Heidelberg aus. Laut Verwaltung steckt es seit Jahren in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Zum 1. Januar 2026 soll die Stadt entlastet werden: Das Universitätsklinikum Heidelberg übernimmt 89,9 Prozent der Anteile, Mannheim behält 10,1 Prozent.

Ein Posten wechselt allerdings nicht den Besitzer. 2016 brauchte die Klinik 65 Mio. Euro für Investitionen und den laufenden Betrieb. Ein Sparkassenkonsortium gab zwei Darlehen über 35 und 30 Mio. Euro. Die Bedingung war, dass die Stadt für die volle Summe bürgt. Getilgt sein sollen die Kredite erst im Mai 2031. Bis dahin hält Mannheim die Bürgschaft „unverändert“ aufrecht, und zwar allein. Im Dezember 2025 erneuerte der Gemeinderat dafür den Betrauungsakt, der die Bürgschaft beihilferechtlich absichert. Ohne diesen Akt hätte die Sparkasse die Darlehen sofort kündigen dürfen.

Dass die Bürgschaft fortbesteht, sei Teil des Verhandlungsergebnisses zum Verbund, heißt es in der Vorlage. Wer am Verhandlungstisch an dieser Stelle nachgegeben hat, lässt sich unschwer erraten. Im Gegenzug soll die Klinik der Stadt eine „marktgerechte Avalprovision“ zahlen. Deren Höhe nennt die Vorlage nicht, ebenso wenig den heute noch offenen Kreditbetrag. Von einer Freistellung durch den neuen Mehrheitseigner ist keine Rede.

Die Schieflage lässt sich einfach beziffern. Würde die Stadt nur entsprechend ihrem künftigen Anteil haften, stünde sie für rund 6,6 Mio. Euro ein (65 Mio. Euro × 10,1 Prozent). Tatsächlich bürgt sie für bis zu 65 Mio. Euro, also für knapp das Zehnfache. Immerhin sollen die seit 2018 möglichen direkten Finanzhilfen der Stadt an die Klinik mit dem Verbund entfallen.

Kritik

Wer 89,9 Prozent eines defizitären Klinikums abgibt, sollte nicht weiterhin das volle Ausfallrisiko tragen. Mannheim hat die Steuerung nach Heidelberg übertragen, das Risiko aber zu Hause behalten. Die Stadt hätte beim Verbund durchsetzen müssen, dass der neue Mehrheitseigner die Bürgschaft übernimmt oder die Stadt zumindest entsprechend seinem Anteil freistellt. So stehen die Mannheimer Steuerzahler bis 2031 für ein Haus gerade, über das sie kaum noch mitbestimmen.

V645/2025: Erneuerung der Betrauung der Universitätsklinikum Mannheim GmbH, Ratsinformationssystem der Stadt Mannheim, 11. Dezember 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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