Staatsbilanz

Stadt/Mannheim/Teure Kleinigkeit

Mannheims Spielplatz für 2,1 Millionen Euro

Mannheim erneuerte 2024 einen Spielplatz im Stadtteil Rheinau für 2,1 Millionen Euro, acht andere kosteten zusammen nur 890.000 Euro

Was ist passiert?

Die Stadt Mannheim hat 300 öffentliche Spielplätze. Der Eigenbetrieb Stadtraumservice plant, baut und pflegt sie. Seit 2016 arbeitet die Stadt ein Spielplatzkonzept ab: 51 Plätze standen auf einer Prioritätenliste, die mit den Bezirksbeiräten abgestimmt war und bis Ende 2025 umgesetzt werden sollte. Jedes Jahr berichtet die Verwaltung dem Gemeinderat, was geschafft wurde.

Der Bericht vom November 2025 führt für das Jahr 2024 neun umgebaute Spielplätze auf, die zusammen 2,99 Mio. Euro kosteten. Acht davon kosteten gemeinsam 890.000 Euro. Das sind im Schnitt gut 111.000 Euro je Platz (890.000 Euro geteilt durch acht). Die Spanne reicht von 3.000 Euro in Käfertal bis 280.000 Euro in der Schwetzinger Stadt. Der neunte Platz fällt aus diesem Rahmen: Der Mehrgenerationenspielplatz Plankstadter Straße in Rheinau kostete 2,1 Mio. Euro. Das ist fast das 19-Fache eines durchschnittlichen anderen Platzes. Es sind auch rund 70 Prozent dessen, was 2024 insgesamt in Spielplätze floss (2,1 von 2,99 Mio. Euro).

Gebucht ist der Betrag nicht im Wirtschaftsplan des Eigenbetriebs, sondern unter einem eigenen „Budget Plankstadter Straße“. Woher dieses Geld stammt und was Rheinau dafür bekommt, steht nicht in der Vorlage. Die Spielplätze des Jahres 2025 beschreibt die Verwaltung ausführlich, bis hin zu Nestschaukel, Spielscheune und Holzschnecke. Zum teuersten Platz verliert sie kein Wort über die Ausstattung.

Bei den übrigen Plätzen ist dagegen vom Sparen die Rede. Fünf Plätze der Prioritätenliste und neun Plätze, die zu naturnahen Spielflächen werden sollten, sind zum Ende des Konzepts nicht umgebaut. Als Grund nennt die Verwaltung unter anderem „kein ausreichendes Budget“. Wegen der Finanzlage will sie nun mehr Spenden und Fördermittel einwerben. Zum Vergleich: Im ganzen Jahr 2025 baute die Stadt acht Spielplätze für zusammen 1,116 Mio. Euro um. Ein neues Konzept gibt es noch nicht. Die CDU-Fraktion beantragte im April 2026, es fortzuschreiben.

Kritik

Ein einziger Spielplatz für 2,1 Mio. Euro steht in keinem Verhältnis zu dem, was die Stadt für ihre übrigen Plätze ausgibt. Er kostete mehr als doppelt so viel wie acht andere zusammen, während Plätze auf der Prioritätenliste wegen fehlenden Geldes warten. Auch Geld aus einem eigenen Topf ist Steuergeld und hätte so eingesetzt werden müssen, dass möglichst viele Stadtteile etwas davon haben. Wer über knappe Mittel klagt, sollte solche Ausreißer im neuen Spielplatzkonzept ausschließen.

A110/2026: Fortschreibung Spielplatzkonzept, Ratsinformationssystem der Stadt Mannheim, 28. April 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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