Radbrücke auf alter Müllgrube sackt ab
Mannheim zahlt 1,5 Mio. Euro extra, weil der Boden unter einer neuen Radbrücke zu flach untersucht wurde und sie nun absackt
Was ist passiert?
Im Nordosten Mannheims ist zur Bundesgartenschau 2023 ein neuer Grünzug entstanden. Dazu gehört eine Fuß- und Radbrücke über die Sudetenstraße. Sie soll den Stadtteil Vogelstang an den Klimapark Spinelli und damit an den Radweg in die Innenstadt anbinden. Gebaut wird sie von der BUGA-Gesellschaft im Auftrag der Stadt. Baubeginn war 2023, fertig sein sollte die Brücke 2025.
Der Boden unter dem östlichen Widerlager hat eine Vorgeschichte. Bis Anfang der 60er Jahre wurde in der Grube „Boxheimer“ Kies abgebaut. Danach füllte man sie mit Trümmerschutt, Bauschutt, Hausmüll und Industrieabfällen. Das war aus einer früheren Erkundung bekannt, und laut Vorlage bauten die Untersuchungen für die Brücke auf diesem Wissen auf. Der Bodengutachter bohrte trotzdem nur rund 7 bis 7,5 Meter tief und gab das Widerlager frei.
Zum Jahreswechsel 2024/2025 zeigten Vermessungen, dass das Widerlager absinkt. Ein zweiter Gutachter fand die Ursache: eine etwa vier Meter dicke Schicht aus Holz und Holzresten, die in rund 9 Metern Tiefe beginnt. Das ist ziemlich genau anderthalb Meter unter dem Ende der ersten Bohrung (9 minus 7,5 Meter). Gewachsener Boden war selbst in über 20 Metern Tiefe nicht zu finden. Die erste Untersuchung reichte also nicht einmal bis zu 40 Prozent dieser Tiefe (7,5 von 20 Metern).
Nun soll ein Spezialtiefbauunternehmen den Untergrund stabilisieren. Erst danach können Asphalt und Geländer folgen. Die Freigabe ist für das erste Halbjahr 2026 vorgesehen. Dafür soll die Stadt 1,5 Mio. Euro zusätzlich bereitstellen. 900.000 Euro stehen bereits im Nachtragshaushalt. Die übrigen 600.000 Euro soll der Eigenbetrieb Stadtraumservice aufbringen, indem er andere Vorhaben im Wirtschaftsplan 2026 zurückstellt. In der Summe stecken neben der Bodensanierung auch Preissteigerungen, längere Bauleitung und Anwaltskosten. Die Verwaltung nennt die Mehrkosten „unvermeidlich“. Unvermeidlich war allerdings nur die Holzschicht, nicht ihre späte Entdeckung.
Einen Teil des Geldes will die Stadt über Schadensersatz zurückholen. Wie viel, ist offen. Sogenannte Sowieso-Kosten sind ausdrücklich nicht erstattungsfähig.
Kritik
Wer eine Brücke auf eine bekannte alte Müllgrube stellt, muss genau wissen, was darunter liegt. Eine Bohrung, die anderthalb Meter über dem eigentlichen Problem endet, spart an der falschen Stelle. Eine gründliche Erkundung vor der Freigabe hätte die Holzschicht gezeigt, bevor das Widerlager stand. Jetzt landet die Rechnung im Stadthaushalt, und 600.000 Euro fehlen anderen Vorhaben, solange der Schadensersatz nicht konsequent eingetrieben wird.
V500/2025: BUGA gGmbH i.L.: Ausbau der Radmobilität: Bau der Fuß- und Radbrücke über die Sudetenstraße durch die BUGA gGmbH i. L.: Mehrkosten der Maßnahme, Ratsinformationssystem der Stadt Mannheim, 17. März 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.