Wallstadt baut 40 Prozent größer als geplant
Das neue Haus für Vereine, Kultur und Feuerwehr in Wallstadt kostet 25,36 statt erlaubter 19,5 Millionen Euro, weil es viel größer wird
Was ist passiert?
Im Stadtteil Wallstadt wird es eng. Die marode Sporthalle in der Ortsmitte soll schließen, und die Halle der katholischen Gemeinde will die Kirche perspektivisch verkaufen. Die Freiwillige Feuerwehr arbeitet teils aus Containern. Die Stadt will alle drei Probleme mit einem Neubau lösen: Vereine, Kultur und Feuerwehr sollen unter ein gemeinsames Dach.
Sparsam sollte es werden. Eine erste Machbarkeitsstudie kam auf 27,75 Mio. Euro. Eine zweite strich Flächen und legte Technik und Küchen zusammen. Dann setzte sie für den Architektenwettbewerb eine Kostenobergrenze von 19,5 Mio. Euro fest. Aus 22 Beiträgen kürte die Jury im März 2023 einen Sieger.
Die Obergrenze hielt nicht lange. Die Entwurfsplanung, die die Verwaltung dem Gemeinderat im Juli 2025 vorlegte, kommt auf 25,36 Mio. Euro. Das sind 5,86 Mio. Euro oder rund 30 Prozent mehr. Den Hauptgrund nennt die Vorlage selbst: Der Entwurf hat einen um rund 40 Prozent größeren Rauminhalt als die Studie. Dabei hatte man ausdrücklich den Sieger mit der kleinsten Fläche gewählt. Allein die Haustechnik verteuerte sich von 2,9 auf 4,5 Mio. Euro. Dazu kommen die Baupreise seit dem Ukraine-Krieg. Die Verwaltung gelobt, künftig „noch bessere Annahmen im Vorfeld zu treffen“. Für Wallstadt kommt diese Einsicht zu spät.
Auch die Finanzierung wackelt. Fest im Haushalt stehen bis 2028 nur 12,78 Mio. Euro. Weitere 6,58 Mio. Euro sollen aus Fördertöpfen kommen, bei denen die Anträge erst gestellt werden, und 6,0 Mio. Euro aus Grundstücksverkäufen. Rund die Hälfte des Baus hängt also an Geld, das noch nicht da ist. Im März 2025 wurden zudem archäologische Fundstellen auf dem Gelände entdeckt, deren Folgekosten offen sind.
Auch nach der Eröffnung kostet das Zentrum Geld. Für Betrieb und Unterhalt rechnet die Stadt mit rund 400.000 Euro im Jahr, dazu kommen 376.936 Euro Abschreibungen. Nach Abzug von 20.000 Euro Einnahmen aus der Solaranlage bleiben gut 750.000 Euro jährlich. Den Anteil des Kulturzentrums soll möglichst ein Betreiber tragen. Ein Konzept dafür gab es zum Zeitpunkt der Vorlage noch nicht. Es sollte Anfang 2026 folgen.
Kritik
Eine Kostenobergrenze, die schon bei der ersten belastbaren Berechnung um 30 Prozent gerissen wird, verdient ihren Namen nicht. Die Stadt hätte den Siegerentwurf auf die vorgegebene Größe zurückführen oder das Raumprogramm kürzen müssen, statt die Mehrkosten einfach zu veranschlagen. Die Finanzierung hängt zur Hälfte an Förderanträgen und Grundstücksverkäufen, und der Betreiber für die laufenden Kosten fehlt noch. Ein solcher Bau gehört erst dann genehmigt, wenn Förderzusagen und ein tragfähiges Betreiberkonzept vorliegen.
V184/2025: Maßnahmengenehmigung Neubau Kultur- und Sportzentrum mit Feuerwehrgerätehaus für die Freiwillige Feuerwehr Wallstadt, Ratsinformationssystem der Stadt Mannheim, 22. Juli 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.