120.000 Euro mehr für Dach der Grundschule
In Saarbrücken wird der Ausbau des Dachgeschosses der Grundschule St. Arnual 120.000 Euro teurer, weil die Planerfirma nie fertige Pläne lieferte
Was ist passiert?
Die Grundschule St. Arnual besteht aus drei freistehenden Gebäuden. Das Rote Schulhaus wurde 1928 gebaut und steht unter Denkmalschutz. Weil die Schule mehr Räume braucht, soll die ehemalige Hausmeisterwohnung im Dachgeschoss zu Schulräumen umgebaut werden. Dafür muss auch der Brandschutz saniert werden.
Mit Planung beider Teile beauftragte der städtische Eigenbetrieb GMS ein Planungsbüro. Das lieferte jedoch nicht wie vereinbart. Die Maßnahme verzögerte sich laut Vorlage wegen mangelhafter Leistungen. Nach mehrmaliger Fristsetzung kündigte der GMS den Auftrag, ohne dass je vollständige Planungsergebnisse vorlagen. Die weitere Planung übernimmt der Betrieb nun selbst.
Die Folgen zeigen sich in den Kosten. Auf Grundlage der lückenhaften Unterlagen waren die Schätzungen zu niedrig angesetzt. Eine Kostenfortschreibung des Büros gab es während der laufenden Maßnahme gar nicht. Erst mit der neu aufgestellten Schätzung kam das Ausmaß ans Licht: 50.000 Euro hat der GMS bereits zusätzlich bereitgestellt, weitere 70.000 Euro brutto sollen jetzt folgen. Macht zusammen 120.000 Euro Mehrbedarf (50.000 + 70.000).
Bemerkenswert ist, woher das Geld kommen soll. Die 70.000 Euro, also gut die Hälfte des Mehrbedarfs (70.000 geteilt durch 120.000, rund 58 Prozent), werden aus dem Budget für die Dachsanierung mit Einbau der Fensterverschattung am selben Schulhaus umgeschichtet. Für diese Verschattung soll ein Förderantrag gestellt werden. Wegen der langen Genehmigungszeiten, so die Vorlage, würden die Mittel sonst verfallen. Planungsaufträge und Grundlagenermittlung dafür seien aus dem Restbudget möglich. Zurückgeholt werden soll das Geld über die Planung ab 2027. Stand ist die Vorlage vom 1. Juni 2026, der Ausschuss sollte am 11. Juni darüber beraten.
Kritik
Hier wurde ein Planungsauftrag über Monate mitgeschleppt, ohne dass jemand die Kosten im Blick behielt. Ein Büro, das trotz Fristen nichts Vollständiges abliefert und keine Kostenfortschreibung vorlegt, hätte früher auffallen und früher gehen müssen. Nun zahlt die Schule doppelt: mit 120.000 Euro Mehrbedarf und mit Geld, das für die Verschattung vorgesehen war und erst später wiederkommen soll. Wer Planung vergibt, muss Zwischenstände und Kostenstände einfordern, bevor aus einer Verzögerung eine Nachforderung wird.
GMS/0788/26: GS Saarbrücken St. Arnual, rotes Schulhaus - Veränderung im Vermögensplan, Ratsinformationssystem der Stadt Saarbrücken, 11. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.