Kita für 8,2 Millionen, Land zahlt nur 2,3
Das Bildungsministerium rechnet bei der Kita in Saarbrücken mit einem billigeren Standardbau, die Stadt trägt 4,09 Millionen Euro selbst
Was ist passiert?
An der Preußenstraße will der städtische Gebäudemanagementbetrieb (GMS) eine neue Kita bauen: zweigeschossig, in Holzmodulbauweise, mit Gründach und Photovoltaik. Sie soll sechs Gruppen mit 122 Plätzen bieten, davon 22 für unter Dreijährige. Das Land fördert solche Neubauten über sein 3. Landesprogramm.
Die Kostenberechnung schließt mit 8.187.000 Euro ab, das sind rund 67.100 Euro je Platz (8.187.000 geteilt durch 122). Gefördert wird allerdings nicht diese Kita, sondern eine Standard-Kita nach Baukosten-Index, die das Bildungsministerium (MBK) als Maßstab heranzieht. Deren Kosten setzt es mit 5.830.014 Euro an. Davon übernimmt das Land 40 Prozent, also 2.332.005,60 Euro. Weitere 30 Prozent kommen vom Regionalverband, 30 Prozent bleiben als Gegenfinanzierung bei der Stadt, jeweils 1.749.004,26 Euro.
Die Differenz zur Standard-Kita beträgt 2.344.379,52 Euro, das sind gut 40 Prozent obendrauf oder rund 19.200 Euro je Platz. Sie trägt die Stadt allein. Insgesamt zahlt Saarbrücken damit 4.093.383,78 Euro, also rund die Hälfte der Gesamtkosten. Das Land kommt, bezogen auf den echten Preis, nur auf etwa 28,5 Prozent (2.332.005,60 geteilt durch 8.187.000).
Der GMS begründet die Mehrkosten mit dem Standort, der beschlossenen Holzmodulbauweise, Vorgaben aus Landesbauordnung und Satzungen für Photovoltaik und Gründach, dem pädagogischen Konzept samt Cook&Freeze-Küche sowie Arbeitsschutz. Gespart werden könne nur noch über günstige Ausschreibungen. Allerdings fällt der Entwurf auch größer aus als das Raumprogramm vorsieht: 1.591,22 statt 1.406,57 Quadratmeter Bruttofläche, 13 Prozent mehr. Die Küche misst 53,68 statt der vorgesehenen 30 Quadratmeter. Je Quadratmeter kostet der Bau 3.717,81 Euro, im Raumprogramm sind es 2.827,95 Euro.
Den Förderantrag reichte der GMS am 25.11.2025 ein. Den Prüfvermerk des Ministeriums vom 22.06.2026 erhielt er erst am 13.08.2026. Der Stadtrat soll am 27.10.2026 beschließen, die Ausfinanzierung gegenüber dem Ministerium zu erklären. Erst danach ist ein Förderbescheid zu erwarten.
Kritik
Wer eine Kita mit 13 Prozent mehr Fläche als im Raumprogramm und mit einer fast doppelt so großen Küche plant, darf sich nicht wundern, wenn die Förderung nur einen Teil abdeckt. Die Stadt hat den Standard selbst gesetzt und finanziert nun 2,34 Mio. Euro allein, dazu die Hälfte der Gesamtkosten. Vor dem Entwurf hätte klar sein müssen, welche Kosten das Land anerkennt, und Fläche und Ausstattung hätten sich daran orientieren müssen. Das Land wiederum sollte erklären, warum es Pflichten aus Bauordnung und Satzungen in seiner Vergleichs-Kita nicht berücksichtigt.
GMS/1190/26: Neubau Kita Preußenstraße: Information zur HU-Bau, zum Zwischenstand im Baugenehmigungsverfahren und zum Bewilligungsverfahren zur Förderung nach dem 3. Landesprogramm durch das Ministerium für Bildung und Kultur (MBK), Ratsinformationssystem der Stadt Saarbrücken, 24. September 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.