Staatsbilanz

Stadt/Saarbrücken/Teure Kleinigkeit

20.000 Euro für Probedruck von Stelen

Saarbrücken gab 2025 ohne Ratsbeschluss 20.000 Euro für einen Probedruck aus, knapp unter der 25.000-Euro-Grenze, ab der der Rat entscheiden muss

Was ist passiert?

Will die Landeshauptstadt mehr Geld ausgeben, als der Haushalt vorsieht, entscheiden bei Beträgen bis 25.000 Euro der Oberbürgermeister oder die Finanzdezernentin. Der Stadtrat erfährt davon erst hinterher. Für das Jahr 2025 liegt nun die Liste vor: 31 Fälle im investiven Haushalt mit zusammen 259.825,71 Euro. Der Rat soll sie am 23. Juni 2026 lediglich zur Kenntnis nehmen.

Zwischen Ballfangzäunen, Smartboards und einer Piccoloflöte für 908,10 Euro fällt eine Zeile auf: 20.000 Euro für den „Probedruck Stelen Special Olympics“. Ein Jahresansatz existierte dafür nicht, er stand bei 0,00 Euro. Verbucht wurde der Betrag als Erwerb beweglicher Sachen, gedeckt aus einer Kostenstelle des Produkts 36.500. Als Begründung nennt die Vorlage nichts weiter als den Namen des Postens selbst.

Die Größenordnung wird im Umfeld der Liste deutlich. Der Probedruck kostete gut dreimal so viel wie Projektor und Beamer für die Stadtgalerie (6.000 Euro; 20.000 : 6.000 = 3,3). Aus demselben Produkt 36.500 wurden für Erstellung und Druck von Online-Portraits 3.550,26 Euro bereitgestellt, der Probedruck war damit fast sechsmal so teuer (20.000 : 3.550,26 = 5,6). Und er übertraf den Mehrbedarf für die Kunstrasensanierung in Bübingen, die mit 19.042,38 Euro zu Buche schlug. Rund 7,7 Prozent der gesamten Summe im investiven Haushalt entfielen auf diese eine Zeile (20.000 : 259.825,71).

Bemerkenswert ist auch die Rundheit der Zahl. Abgerechnet wurde offenbar keine krumme Rechnungssumme wie bei den meisten anderen Posten der Liste, sondern ein glatter Betrag von 20.000 Euro. Der Posten liegt zudem knapp unter der Grenze von 25.000 Euro, ab der der Stadtrat selbst hätte entscheiden müssen.

Kritik

Ein Probedruck soll vor einer Serie Fehler aufdecken und ist deshalb dafür da, billig zu sein. 20.000 Euro sind für ein Muster ein Betrag, der eher nach Serienfertigung klingt und weit über dem liegt, was die Stadt für vergleichbare Druck- und Technikposten derselben Liste ausgab. Wer Stelen für eine Großveranstaltung braucht, sollte die Kosten vorher mit einem Angebot kalkulieren und regulär im Haushalt veranschlagen, statt sie nachträglich außerplanmäßig bereitzustellen. Ein Muster darf nur einen Bruchteil des späteren Auftrags kosten.

VWT/0822/26: Mittelbereitstellungen gem. § 89 KSVG bis zu einem Höchstbetrag von 25.000 €/10.000 € (Bezirksratsbudget) im Haushaltsjahr 2025, Ratsinformationssystem der Stadt Saarbrücken, 23. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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