360.000 Euro für eine Edelstahlwanne
Im Lernschwimmbecken auf der Folsterhöhe kostet Edelstahl 200.000 Euro mehr als Fliesen, obwohl 30 Prozent der Nutzungszeit wegfallen
Was ist passiert?
Das Lehrschwimmbecken auf der Folsterhöhe wurde 1975 gebaut. Grundschulen und Vereine nutzen es seither, und es galt als Besonderheit, denn es ist das einzige städtische Bad mit einem verstellbaren Hubboden, der die Wassertiefe jeder Gruppe anpasst.
Im Jahr 2025 gab der Mechanismus den Dienst auf. Reparieren ließ er sich nicht, weil es für das System weder Ersatzteile noch Anbieter gibt. Die städtische GMS senkte den Boden daher fest auf 1,80 Meter ab. Für Vereine ging damit zumindest ein Teil des Betriebs weiter, für den Schwimmunterricht der Grundschulen war das Becken dagegen zu tief. Die Stadt musste „umständliche und kostenintensive“ Ersatzlösungen suchen, weil sie das Schulschwimmen gesetzlich sicherstellen muss. Wie hoch diese Kosten waren, nennt die Vorlage nicht.
Nun liegt eine Machbarkeitsstudie vor. Ein neuer Hubboden würde rund 1,28 Mio. Euro kosten. Empfohlen wird stattdessen ein dauerhaft flaches Becken mit höchstens 1,35 Metern Tiefe für 488.000 Euro, das sind 791.846 Euro weniger (1.279.846 minus 488.000). Der größte Posten darin ist eine Edelstahlwanne für 360.000 Euro. Fliesen wären laut Vorlage um 200.000 Euro günstiger gewesen. Die Begründung: Edelstahl sei pflegeleichter und weniger schadensanfällig, außerdem seien Handwerker und Material damit besser zu bekommen. Beleg dafür enthält die Vorlage nicht.
Der Preis des flachen Beckens ist zudem nicht der einzige. Rund 30 Prozent der bisherigen Nutzungszeiten fallen weg, weil sie mehr als 1,34 Meter Tiefe brauchen. Betroffen ist vor allem ein Verein, mit dem erst noch Gespräche geführt werden sollen. Die Erneuerung des Beckenkopfes wird zudem „aller Voraussicht nach“ erforderlich sein. Beleuchtung (18.000 Euro) und eine Vorinstallation für die Beckenüberwachung (5.000 Euro) kämen obendrauf.
Die Stadt hofft auf 45 Prozent Förderung, also 219.600 Euro, bei 55 Prozent wären es 268.400 Euro. Bisher liegt dazu nur der Entwurf einer Förderanlage des Landes vor. Gebaut werden soll ab 2027.
Kritik
Wer eine angespannte Haushaltslage als Argument für die günstigere Beckenvariante anführt, sollte bei der Auskleidung nicht 200.000 Euro oder gut 40 Prozent der Summe zusätzlich ausgeben. Für ein Becken, das künftig höchstens 1,35 Meter tief ist und ein knappes Drittel seiner bisherigen Nutzungszeiten verliert, ist die teuerste Wandvariante schwer zu rechtfertigen. Die Fliesenlösung hätte die Eigenmittel der Stadt spürbar entlastet, gerade solange die Förderung nur ein Entwurf ist. Edelstahl darf nur dann ins Programm, wenn sich der Mehrpreis über die Nutzungsdauer nachweislich auszahlt, und sonst nicht.
GMS/1021/26: Instandsetzung des Lehrschwimmbecken Folsterhöhe: Sachstandsbericht und Verfahrensvorschlag, Ratsinformationssystem der Stadt Saarbrücken, 24. September 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.