Kita-Neubau fast doppelt so teuer
Die neue Kita in der Saarbrücker Preußenstraße soll 8,2 Millionen Euro kosten, 2022 waren es noch 4,85 Millionen, gebaut wird noch nicht
Was ist passiert?
In der Preußenstraße der Landeshauptstadt soll eine neue Kita entstehen. Sie soll dringend benötigte Betreuungsplätze für Kinder schaffen und Familien entlasten, denn der Bedarf an Kita- und Krippenplätzen ist hoch. Der Standort wird schon seit 2020 in städtischen Gremien vorgestellt und wurde grundsätzlich positiv bewertet.
Zunächst klang alles überschaubar. Bei der ersten Projektvorstellung Anfang 2021 war von Kosten unter 4,8 Millionen Euro die Rede. Anfang 2022 ging die Verwaltung von rund 4,85 Millionen Euro einschließlich Freianlagen aus und von einer Fertigstellung im Jahr 2025. Gewählt wurde von Beginn an eine Modulbauweise, die vor allem die Bauzeit verkürzen sollte.
Der Zeitplan hielt jedoch nicht lange. Der Werksausschuss befasste sich erst im ersten Halbjahr 2023 mit der Vergabe von Planungsleistungen. Die Vorentwurfsplanung ging im Dezember 2024 an das Ministerium für Bildung und Kultur. Der Bauantrag folgte im November 2025, rund dreieinhalb Jahre nach dem Beschluss für den Neubau. Im Jahr der geplanten Fertigstellung stand das Projekt also noch am Anfang der Genehmigung.
Parallel stiegen die Kosten. Im Dezember 2025 nannte die Verwaltung öffentlich Gesamtkosten von 8,2 Millionen Euro. Das sind 3,35 Millionen Euro mehr als die 4,85 Millionen Euro von Anfang 2022 (8,2 minus 4,85), also rund 69 Prozent Aufschlag. Verteilt auf die knapp vier Jahre dazwischen wuchs die Summe um etwa 840.000 Euro pro Jahr (3,35 Millionen geteilt durch rund 4).
Aus welchen Posten sich die Mehrkosten zusammensetzen, ist dem Werksausschuss nach Angaben der SPD-Fraktion bislang nicht dargelegt worden. Die Fraktion verlangt deshalb einen schriftlichen Sachstandsbericht und hält es für wahrscheinlich, dass es nicht bei 8,2 Millionen Euro bleibt. Wie hoch die Zuschüsse von Land und Regionalverband ausfallen und was die Stadt am Ende selbst trägt, ist noch offen.
Kritik
Wer sich für Modulbauweise entscheidet, um Zeit zu sparen, muss die Planung auch zügig vorantreiben. Hier verging mehr als die Hälfte der vorgesehenen Zeit, bis überhaupt ein Bauantrag vorlag, und jedes weitere Jahr verteuert den Bau zusätzlich. Eine Kostensteigerung von fast 70 Prozent auf dem Papier, noch vor dem ersten Spatenstich, zeigt, dass die ursprüngliche Schätzung zu knapp bemessen war. Der Kostenrahmen hätte früher überprüft und offengelegt werden müssen, damit die Stadt rechtzeitig gegensteuern kann. Schließlich warten die Familien weiter auf die Plätze, für die die Kita gedacht ist.
SPD/1068/26: Berichterstattung zum Neubau der Kita Preußenstraße, Ratsinformationssystem der Stadt Saarbrücken, 27. August 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.