Marktplatz-Umbau mit 750 m² Planungslücke
Für den Umbau des Burbacher Markts in Saarbrücken sind 1,52 Millionen Euro bewilligt, doch der erste Plan übersah 750 Quadratmeter Fläche
Was ist passiert?
Der Burbacher Markt in Saarbrücken soll unter dem Namen „Oase Burbach“ zu einem hitzerobusten, klimawandelgerechten Aufenthaltsplatz für die Anwohner umgebaut werden. Das Geld kommt zum großen Teil aus einem Bundesprogramm zur Anpassung an den Klimawandel. Mit Bescheid vom 18.03.2024 bewilligte der Fördermittelgeber 1.275.602,65 Euro bei zuwendungsfähigen Ausgaben von 1.520.921,14 Euro. Für die Stadt bleibt damit ein Eigenanteil von 245.318,49 Euro (1.520.921,14 minus 1.275.602,65), rund 16 Prozent.
Neun Monate nach dem Bescheid war von einem Bau noch nichts zu sehen, fast zwei Jahre danach auch nicht: Im Februar 2026 steckte das Projekt immer noch in der Entwurfsplanung. Das beauftragte Planungsbüro arbeitet erst seit Mai 2025. Der Platz wurde am 18.09.2025 komplett neu vermessen, das Baugrundgutachten lag am 09.09.2025 vor, also knapp eineinhalb Jahre nach der Bewilligung.
Die vertiefte Planung förderte einiges zutage. Das Baufeld wächst um rund 750 Quadratmeter, weil im Vorentwurf wesentliche Flächen nicht erfasst waren. Abwasser- und Elektroanlagen sowie Vegetationsarbeiten fehlten dort ebenfalls. Im Boden fanden die Gutachter stark verdichteten Schotter und Kohlegrus, was Abbruch und Entsorgung deutlich aufwändiger macht. Hinzu kommen Rampen, Treppen und Stützmauern für die Barrierefreiheit sowie eine versetzte Feuerwehraufstellfläche, für die das Brandschutzkonzept überarbeitet wird.
Die Verwaltung nennt das eine „solide Grundlage“ und verweist auf Verzögerungen im Vergabeverfahren. Wie viel teurer der Umbau wird, steht in der Vorlage nicht. Zunächst soll der Entwurf überarbeitet werden, danach folgen Bürgerbeteiligung, politische Gremien und die Prüfung durch den Fördermittelgeber, der noch Änderungen verlangen kann. Die bewilligten 1,52 Mio. Euro stammen damit aus einer Zeit, in der Fläche, Untergrund und mehrere Gewerke noch nicht ordentlich erfasst waren.
Kritik
Eine Summe, die an einem Vorentwurf mit zu kleiner Fläche, unbekanntem Untergrund und fehlenden Gewerken hängt, taugt nicht als Kostenrahmen. Vermessung und Baugrunduntersuchung gehören vor die Kalkulation und nicht erst in die Entwurfsplanung, zumal Altlasten wie Kohlegrus auf einem alten Marktplatz keine Überraschung sein müssen. Die Stadt sollte jetzt zügig belastbare Kosten vorlegen, bevor Bürger und Gremien über Entwürfe beraten, die sich am Ende womöglich nicht bezahlen lassen. Sonst bleibt ein Eigenanteil, der mit jedem Planungsfehler wächst.
VWT/0302/26: Bericht der Stadtverwaltung über den Stand des Projektes „OASE Burbach“ - Antrag der SPD-Fraktion (WES/0235/26), Ratsinformationssystem der Stadt Saarbrücken, 5. März 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.