Saarbrücken: Tierheim soll mehr als Verlust bekommen
Die Stadt Saarbrücken soll dem Tierheim 187.491 Euro im Jahr zahlen, der Verein macht im Schnitt aber nur rund 110.000 Euro Verlust
Was ist passiert?
Das Bertha-Bruch-Tierheim des Tierschutzvereins 1924 versorgt im Regionalverband Saarbrücken Fundtiere. Zuständig für sie sind rechtlich die Gemeinden, doch bis Ende 2025 regelte ein Vertrag mit dem Regionalverband Unterbringung und Finanzierung. Von 2021 bis 2024 flossen jährlich 115.000 €, 2025 waren es 150.000 €, das sind rund 0,45 € je Einwohner.
Zum 31.12.2025 lief der Vertrag aus. Auf den Entwurf vom Oktober 2025 meldete sich der Verein nicht, im Januar 2026 forderte er stattdessen 1,50 € je Einwohner. Daraufhin prüften Regionalverband und städtisches Rechnungsprüfungsamt die Finanzen des Vereins, allerdings nur im Wege einer analytischen Durchsicht der Jahresabschlüsse. Ergebnis war ein Durchschnittsdefizit von rund 110.000 € für die Jahre 2021 bis 2025. Daraus leitet der Regionalverband ab, den Satz auf 0,90 € je Einwohner zu verdoppeln.
Die Rechnung dahinter geht schwer auf. Schon der Anteil der Stadt allein läge mit 187.490,67 € rund 1,7-mal so hoch wie das durchschnittliche Defizit (187.490,67 € : 110.000 €). Auf alle 332.678 Einwohner gerechnet ergäbe der neue Satz rund 299.400 € (0,90 € mal 332.678), etwa das 2,7-Fache des Defizits. Die Stadt soll ihren Beitrag um rund 93.560 € erhöhen (187.490,67 € minus 93.930 €).
Der Verein hat dem Vorschlag laut Vorlage noch nicht final zugestimmt. Die Stadt muss sich derweil selbst behelfen, weil auch andere Tierheime in Forbach, Homburg und Dillingen keinen Platz haben. Sie nutzt umgerüstete Hundezwinger im Wildpark und Tierpensionen. Bis Anfang Mai 2026 waren 33 Fundtiere zu versorgen, das kostete 14.951 €, also gut 450 € je Tier (14.951 € : 33). Der Stadtrat soll am 19.05.2026 über die Erhöhung entscheiden. Wie er entschied, ist nicht bekannt.
Kritik
Ein Zuschuss, der das nachgewiesene Durchschnittsdefizit des Vereins um ein Vielfaches übersteigt, ist kein Ausgleich eines Fehlbetrags mehr, sondern ein Aufschlag. Der Satz hätte sich am tatsächlichen Defizit orientieren müssen, statt einfach den bisherigen Wert zu verdoppeln. Zahlen sollte die Stadt erst, wenn ein unterschriebener Vertrag steht, der dafür auch klare Leistungen festlegt, etwa die Aufnahme von Fundtieren. Sonst zahlt sie mehr und behilft sich bei den Fundtieren weiter mit Zwingern und Pensionen.
VWT/0570/26: Tierbetreuungsvertrag mit dem Tierschutzverein 1924 e.V. Saarbrücken mit einer Erhöhung des Beitrags zu den Finanzierungskosten des Tierheims, Ratsinformationssystem der Stadt Saarbrücken, 19. Mai 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.