150.000 Euro für ein Klavier im Freien
Würzburg will bis zu 150.000 Euro für ein E-Piano im Betongehäuse ausgeben, nur weil Fördergeld bis Ende Oktober verfällt
Was ist passiert?
Die Stadt versteht sich als Musikstadt mit Mainfrankentheater und Hochschule für Musik. Mehrere Stadtratsfraktionen wollen dieses Profil nun auf die Straße tragen: mit einem Outdoor-Flügel, einem E-Piano im Betongehäuse, an das sich jeder Passant jederzeit setzen darf. Vorbild ist ein Instrument auf dem Opernplatz in Hannover, das im Dezember 2025 eingeweiht wurde.
Der Stadtrat, vertreten durch den Ferienausschuss, soll am 20.8.2026 die Anschaffung beschließen. Die Gesamtkosten liegen laut Vorlage bei 130.000 bis 150.000 Euro. Bezahlt werden soll aus Restmitteln des Projekts Smarte Region Würzburg und aus Fördergeld von KfW und Bundesbauministerium. Die Verwaltung betont, der städtische Haushalt werde dadurch nicht zusätzlich belastet. Das ist formal richtig, ändert aber nichts daran, dass es sich um öffentliches Geld handelt.
Der eigentliche Takt kommt vom Kalender. Die Mittel stehen nur bis Ende Oktober 2026 zur Verfügung, danach beginnt ein neues Förderjahr mit anderen Bedingungen. Ein Großteil der Ausgaben soll deshalb noch in diesem Jahr anfallen. Zwischen Sitzung und Fristende liegen rund 72 Tage (11 im August, 30 im September, 31 im Oktober). Das macht gut 1.800 bis 2.100 Euro je Tag (130.000 : 72 und 150.000 : 72).
Dabei ist nicht einmal klar, wo das Instrument stehen soll. Der Antrag nannte den Theaterplatz, die Vorlage spricht nur noch von Orten, die „in Prüfung“ seien. Der Platz muss der Stadt gehören und zu den Bedingungen der Fördergeber passen.
Auch die Zeit danach bleibt offen. Für Bauunterhalt, Bewirtschaftung und Nutzungsdauer sind in der Vorlage keine Zahlen eingetragen. Die Folgekosten für Wartung und Betrieb sollen ab 2028, wenn das Smarte-Region-Projekt endet, im regulären Haushalt auftauchen. Der Flügel in Hannover wiegt 500 Kilogramm und ist gegen Vandalismus gebaut. Ob Würzburg dasselbe Modell oder das im Antrag erwähnte „mobile Stadtmöbel“ anschafft, geht aus den Unterlagen nicht hervor.
Kritik
Hier wird ein Betrag von bis zu 150.000 Euro ausgegeben, weil eine Frist abläuft, nicht weil ein Bedarf in Würzburg belegt wäre. Als Beleg dient die Auskunft aus Hannover, ein eigener Nachweis fehlt. Wer ein 500 Kilogramm schweres Instrument kauft, sollte vorher wissen, wo es stehen soll und was es nach 2028 jährlich kostet. Restmittel sind kein Grund, sie auszugeben, sondern eine Gelegenheit, sie nicht abzurufen.
00/1000-9271-01/2026: Aufstellung eines Outdoor-Flügels im öffentlichen Raum (Interfraktioneller Antrag Nr. 55/2026 vom 20.07.2026 der Stadtratsmitglieder Büchner, Lehrieder, Mack, Klingler, Dürr, Wild und Haberland - auch namens der Bündnis 90/Die Grünen sowie Die Linke - Stadtratsfraktionen), Ratsinformationssystem der Stadt Würzburg, 20. August 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.