Turnhalle in altem Hangar für 31 Millionen
Würzburg baut einen alten Flugzeughangar zur Sporthalle um, 31,4 statt 28,2 Millionen Euro, dabei fehlt Geld für Unvorhergesehenes noch
Was ist passiert?
Auf dem Hubland, dem ehemaligen Kasernengelände der Stadt, ist ein neuer Stadtteil entstanden. Dort steht ein früherer Fliegerhangar, den die Stadt zum Herzstück des Quartiers machen will: als 3-Feld-Sporthalle mit Räumen für Jugendarbeit, Kultur, Musik und Vereine. Nebenan entsteht eine zweizügige Grundschule mit Tiefgarage.
Für den Umbau des Hangars sollen nun 31.371.893 Euro brutto fließen. Im Dezember 2024 hatte der Stadtrat noch auf Basis einer Schätzung von 28.182.901 Euro entschieden, die Mehrkosten betragen also rund 3,2 Mio. Euro (31,37 minus 28,18 Mio. Euro), gut elf Prozent. Die Verwaltung führt das auf inzwischen erstellte Gutachten und eine belastbarere Planung zurück. Das mag stimmen, bedeutet aber auch, dass die erste Zahl wenig wert war.
Auf die Gebäudefläche von 5.322 Quadratmetern umgelegt, kostet jeder Quadratmeter rund 5.900 Euro (31,37 Mio. Euro geteilt durch 5.322 Quadratmeter). Die Halle soll tagsüber der Schule dienen, für bis zu 200 Schülerinnen und Schüler sowie 21 Lehrkräfte, abends den Vereinen. Hinzu kommen eine Tribüne mit etwa 300 Sitzplätzen und Kursräume.
Der Erläuterungsbericht des Planungsbüros enthält zudem eine bemerkenswerte Einschränkung: Unvorhergesehenes und Risikoaufschläge sind in der Summe nicht enthalten und müssen gesondert aufgeschlagen werden. Beim Dach wurden unzureichende Betonüberdeckungen und mangelhafte Materialausführungen entdeckt. Die Kosten dafür sind nur Richtpreise, denn weitere großflächige Rückbauten wären förderschädlich gewesen und unterblieben.
Bezahlt werden soll der Umbau zu rund 19,9 Mio. Euro aus Fördermitteln (3.956.000 plus 395.600 plus 15.590.000 Euro). Die restlichen 11,4 Mio. Euro trägt die Stadt aus einer Rücklage, die aus Grundstücksverkäufen im Gebiet stammt. Die Förderbeträge sind erst erwartet, das Verfahren folgt nach dem Beschluss. Zusätzliche laufende Kosten sieht die Vorlage trotz der Größe des Hauses nicht.
Kritik
Über 31 Mio. Euro für eine Schulsporthalle mit Stadtteilzentrum sind eine Summe, die sich nicht mit dem Hinweis auf den Denkmalcharakter des Hangars schönreden lässt. Dass die Kosten schon vor dem Baubeginn um 3,2 Mio. Euro gestiegen sind und Risikoaufschläge noch fehlen, lässt erwarten, dass der Preis weiter steigt. Besonders beim ungeklärten Zustand des Daches wäre eine ehrliche Vorsorge im Budget nötig gewesen. Die Behauptung, das Haus verursache keine neuen laufenden Kosten, ist bei dieser Größe kaum glaubhaft. Fördergeld und Rücklage sind ebenfalls Geld der Bürger, und nur weil ein Großteil von anderer Stelle kommt, wird der Umbau nicht günstiger.
05/6000-9422/2026: Sanierung des ehem. Hangar (Gebäude 14), Rottendorfer Straße 77, 97074 Würzburg Bau- und Finanzierungsbeschluss, Ratsinformationssystem der Stadt Würzburg, 15. Oktober 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.