Kübelbäume für 770.000 Euro
Würzburg plant 13 Großkübel, drei Bäume, Bänke und Licht für 770.000 Euro, 260.000 Euro davon zahlt die Stadt selbst.
Was ist passiert?
Der Untere Markt ist ein zentraler Platz der Würzburger Innenstadt. Dort stehen die Marienkapelle und ein Obelisk, es gibt Gastronomie, und der Platz dient dem Stadtfest und dem Weihnachtsmarkt. Unter der Fläche liegt eine Tiefgarage. Die Stadt will den Platz begrünen und besser verschatten.
Im Juli 2025 beschloss der Stadtrat einstimmig ein Konzept mit 28 Bäumen in Pflanzkübeln, dazu vier kleinere am Obelisken. Die Verwaltung selbst bezeichnete den Plan damals als „Blick in die Werkstatt“, ein Konzept für Bänke fehlte. Nach mehreren Abstimmungsrunden und statischen Prüfungen der Tiefgarage ist davon eine kleinere Fassung übrig. Sie sieht 13 Großpflanzgefäße, drei Bäume im Boden und Sitzbänke vor. Die Kübel haben einen Durchmesser von 1,80 Metern, innen ein Gefäß mit Vorratsbewässerung und gedämmter Wand, außen eine 3D-gedruckte Hülle aus wiederverwendeten Industriefolien. Sie sollen genau auf den Stützpfeilern der Garage stehen, weil das Gewicht der Bäume die übrige Nutzung sonst stark einschränken würde.
Die Begrünung samt Sitzgelegenheiten soll rund 570.000 Euro kosten. Verteilt auf 16 Bäume, 13 in Kübeln und 3 im Boden, sind das 35.625 Euro je Baum (570.000 : 16). Hinzu kommen rund 200.000 Euro für Beleuchtung und Marienkapelle, zusammen 770.000 Euro. Die Verwaltung begründet die Beleuchtung damit, dass die Bäume Schatten werfen und dunkle Bereiche entstehen. Gefördert werden soll über das Programm „Klima wandel(t) Innenstadt“ der Regierung von Unterfranken, bei der Begrünung mit 80 Prozent, bei der Beleuchtung hofft man auf 60 Prozent. Bei Eigenanteilen von etwa 170.000 und 90.000 Euro bleiben der Stadt 260.000 Euro. Nach den genannten Fördersätzen allein wären es nur 114.000 Euro (20 Prozent von 570.000) plus 80.000 Euro (40 Prozent von 200.000), also 194.000 Euro. Der Stadtrat sollte am 22. Oktober 2026 über die Förderanmeldung entscheiden, umgesetzt werden soll im Frühjahr 2027. Neue jährliche Folgekosten gibt die Vorlage nicht an.
Kritik
Mehr als 35.000 Euro je Baum sind auch dann viel Geld, wenn ein Großteil aus Fördertöpfen stammt, denn auch das ist Steuergeld. Die Verwaltung räumt selbst ein, dass ein echter Baum im Boden viele Kübelbäume ersetzen kann. Dann wäre es naheliegend gewesen, die Zahl der Baumstandorte in den Kübeln noch stärker zu begrenzen und die Aufwendungen für Spezialgefäße mit Bewässerung und gedruckter Hülle zu senken. Die 200.000 Euro für Beleuchtung und Marienkapelle sind ein eigenes Vorhaben und sollten nicht in einem Begrünungsprojekt mitlaufen. Die Stadt sollte außerdem erklären, warum ihr Eigenanteil mit 260.000 Euro deutlich höher liegt, als die genannten Fördersätze erwarten lassen.
04/6100-8193-01/2025: Begrünungs- und Verschattungskonzept für den Unteren Markt Finaler Konzeptentwurf für Pflanzgefäße, bodengebundene Baumstandorte und temporäre Möblierungen auf dem Unteren Markt, Ratsinformationssystem der Stadt Würzburg, 13. Oktober 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.