4,9 Millionen für Feuerwehrrente fehlen
Würzburg bindet sich 12 Jahre an Rentenverträge für 425 Feuerwehrleute, gedeckt sind aber nur 165.000 Euro im ersten Jahr
Was ist passiert?
Die Stadt Würzburg hat sechs Freiwillige Feuerwehren, in denen rund 425 Ehrenamtliche aktiv Dienst tun. Wer sich bei Einsätzen und Übungen engagiert, soll dafür künftig im Alter etwas bekommen. Der Stadtrat beschloss deshalb am 12. März 2026 eine „Feuerwehrrente“, rückwirkend zum 1. Januar 2026. Die Stadt zahlt dafür jährlich Beiträge in private Rentenversicherungen ein, die auf die einzelnen Feuerwehrleute laufen. Wie viel jemand erhält, bestimmt ein Punktesystem: Wer mindestens 20 Übungen besucht, bekommt 300 Basispunkte. Dazu kommen Bonuspunkte, etwa 200 für Atemschutzträger oder 5 je Einsatz. Ein Punkt ist derzeit einen Euro wert, die Obergrenze liegt bei 960 Euro pro Person und Jahr. Offiziell soll die Rente das Ehrenamt würdigen und mehr Menschen dafür gewinnen.
Das Problem steckt im Kleingedruckten. Die Versicherungsverträge haben eine Mindestlaufzeit von 12 Jahren. Die Verwaltung schreibt selbst, eine Finanzierung über diesen Zeitraum sei „zwingend nötig“. Gesichert ist aber nur das erste Jahr: Im Haushalt stehen 165.000 Euro bereit, das sind knapp 390 Euro je Berechtigtem (165.000 geteilt durch 425). Alle Folgejahre stehen unter dem Vorbehalt der Haushaltsberatungen und der Genehmigung durch die Regierung von Unterfranken. Auch den Stadtratsbeschluss selbst machte die Stadt von dieser Genehmigung abhängig.
Wie schnell die Summe wächst, zeigt eine einfache Rechnung. Erreichen alle 425 den Höchstbeitrag von 960 Euro, kostet die Rente 408.000 Euro im Jahr, also das Zweieinhalbfache der bereitgestellten Mittel. Über 12 Jahre wären das rund 4,9 Millionen Euro (408.000 mal 12). Fehlt irgendwann das Geld, sollen Punktwerte gekürzt, Verträge pausiert oder aufgelöst werden. Dann, so die Vorlage, könne der Zweck der Rente „nicht mehr erfüllt werden“. Einen Rechtsanspruch haben die Feuerwehrleute ohnehin nicht, die Leistung ist freiwillig und jederzeit widerruflich.
Kritik
Der Stadtrat bindet die Stadt an Verträge über 12 Jahre, hat aber nur das erste Jahr mit 165.000 Euro finanziert. Bei voller Ausschöpfung wären es fast 5 Millionen Euro, für die kein Plan vorliegt. Wer als Ehrenamtlicher auf die Rente baut und dann erlebt, dass Punktwerte gekürzt oder Verträge aufgelöst werden, wird eher enttäuscht als motiviert. Eine freiwillige Leistung darf erst beschlossen werden, wenn ihre Finanzierung über die gesamte Vertragsdauer tragfähig dargelegt ist.
00/1000-7032-01/2024: Einführung der Feuerwehrrente (Antrag Nr. 33/2024 vom 04.06.2024 der Stadtratsmitglieder Adam, Roth, Hollerbach, Schott - auch namens der CSU-Stadtratsfraktion), Ratsinformationssystem der Stadt Würzburg, 1. Januar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.