Staatsbilanz

Stadt/Würzburg/Fehlplanung

777.000 Euro für ein Klo am Badesee

Würzburg baute am Sanderweiher eine Toilette für 617.000 Euro statt einfacher Toiletten, dazu kommen über 20 Jahre 160.000 Euro Betrieb

Was ist passiert?

Am Sanderweiher treffen sich Badegäste, Spaziergänger und Radfahrer. Wo viele Menschen Zeit verbringen, braucht es auch Toiletten. Im September 2023 beantragten zwei Stadtratsmitglieder im Namen der CSU-Fraktion deshalb Trocken-Trenntoiletten für Orte ohne Kanalanschluss. Solche Anlagen kommen ohne Abwasserleitung aus und gelten als schlichte Lösung für abgelegene Plätze.

Daraus wurde etwas ganz anderes. Im Sommer 2025 eröffnete die Stadt am Sanderweiher einen Neubau, den sie an das öffentliche Kanalnetz und an die Wasserversorgung anschloss. Die Herstellung kostete laut Vorlage insgesamt 617.000 Euro. Dazu kommen jährlich etwa 8.000 Euro für Strom, Reinigung und Ähnliches. Die Anlage soll rund 20 Jahre genutzt werden.

Die Stadt begründet den Anschluss mit betriebstechnischen Gründen. Durch die Erschließung seien die Betriebskosten gesenkt worden, außerdem habe man einen vollwertigen hygienischen Standard erreicht. Zur Ausstattung gehört unter anderem eine barrierefreie Toilette. Das mag stimmen, nur nennt die Vorlage weder die Höhe der Einsparung noch den Betrag, den sie ausgleichen soll.

Bemerkenswert ist ein Detail: Den erhöhten Bedarf im Sommer deckt die Stadt am nördlichen Mainufer weiterhin mit mobilen, chemischen Toiletten. Am Sanderweiher hat man dagegen für Jahrzehnte gebaut. Die Spitzen scheinen also so ausgeprägt zu sein, dass selbst die teure Anlage sie nicht allein abfängt.

Unterm Strich ergibt sich über 20 Jahre eine Summe von 617.000 plus 20 mal 8.000 Euro, also 777.000 Euro. Das sind rund 38.850 Euro im Jahr oder etwa 106 Euro für jeden einzelnen Tag. Der Ausschuss beschloss im September 2026 unverändert, den ursprünglichen Antrag für erledigt zu erklären.

Kritik

Aus einem Antrag auf einfache Toiletten ohne Kanal wurde ein Bauwerk für 617.000 Euro, das jährlich weitere 8.000 Euro kostet. Wer rund 106 Euro pro Tag über die Nutzungsdauer aufwendet, sollte klar belegen können, dass sich das gegenüber schlichteren Lösungen lohnt. Dass für die Spitzenzeiten trotzdem mobile Toiletten nötig sind, zeigt, dass der Neubau den Bedarf nicht allein deckt. Die Stadt hätte die Größe der Anlage am tatsächlichen Andrang ausrichten und den Hauptaufwand auf die Saison verlagern sollen, statt für alle Fälle dauerhaft teuer zu bauen.

00/1000-6195-01/2023: Errichtung von Trocken-Trenntoiletten an Orten ohne Kanalwasseranbindung (Antrag Nr. 59 / 2023 vom 14.09.2023 der Stadtratsmitglieder Hollerbach und Lexa - auch namens der CSU-Stadtratsfraktion), Ratsinformationssystem der Stadt Würzburg, 14. September 2023. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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