Staatsbilanz

Stadt/Würzburg/Fehlplanung

Jugendhaus wird zum 940-m²-Bürgerhaus

In Würzburg-Lengfeld sollte ein Jugendhaus mit 290 Quadratmetern entstehen, geplant sind nun 940, davon nur 80 für die Jugend

Was ist passiert?

Würzburg (BY). Dem Stadtteil Lengfeld fehlt nach Einschätzung der Stadt eine echte Ortsmitte. Dort, wo sie entstehen soll, steht ein unbeheiztes altes Feuerlöschgerätehaus, das als Lager dient. Drumherum liegt eine enge Wendeschleife mit Bushaltestelle, die sich nicht barrierefrei umbauen lässt.

Für diesen Platz gewann 2021 ein Architekturbüro aus Volkach mit Partnern aus Kassel einen Wettbewerb. Der Entwurf sah ein barrierefreies Jugendhaus mit rund 280 Quadratmetern Nutzfläche vor, bezogen auf die Bruttogrundfläche (BGF) waren es etwa 290. Der Stadtrat beschloss im Februar 2022, auf dieser Grundlage weiterzuplanen. Doch inzwischen haben das Quartiersmanagement und der Bibliotheksentwicklungsplan, beide von 2022, neue Wünsche geweckt. Ein Nutzerworkshop legte im März 2026 verbindlich fest: Die Bücherei als „dritter Ort“ bekommt 270 Quadratmeter, die Jugendarbeit 80, Quartiersmanagement und Familienstützpunkt 40, dazu kommen 210 Quadratmeter Gemeinschaftsflächen. Das ergibt 600 Quadratmeter Nutzfläche und 940 Quadratmeter BGF, gut das Dreifache des prämierten Entwurfs (940 : 290 ≈ 3,2). Die Jugendarbeit, um die sich der Wettbewerb drehte, taucht im Raumprogramm nur noch mit 80 Quadratmetern auf.

Warum nicht im Bestand? Die Dorfmühle sei ungeeignet, im Ökumenischen Zentrum seien keine Räume frei. Das Alte Rathaus, das die Stadt von 2017 bis 2020 saniert hat, ist trotzdem nicht barrierefrei erschlossen. Sein zweites Obergeschoss ist seit dem Umbau aus Brandschutzgründen nicht mehr nutzbar, ein Drittel der Fläche fiel weg. Übrig blieben rund 440 Quadratmeter, vorher waren es demnach etwa 660 (440 : 2 × 3). Was später mit dem Alten Rathaus geschieht, ist offen.

Der Neubau hat weitere Hürden: Der Bebauungsplan von 1977 sieht dort Grün- und Verkehrsfläche vor und muss geändert werden, was etwa zwei Jahre dauern soll. Die Fläche liegt im Überschwemmungsgebiet der Kürnach. Der Stadtteil liegt in keiner Städtebauförderkulisse, eine Förderung ist nur grundsätzlich möglich. Ein Grundsatzbeschluss war für Oktober 2026 vorgesehen, gebaut werden soll frühestens ab 2032, mehr als zehn Jahre nach dem Wettbewerb. Eine Kostenschätzung nennt die Vorlage nicht.

Kritik

Ein Wettbewerb für ein 290 Quadratmeter großes Jugendhaus ist kaum noch die Grundlage für ein Gebäude mit der dreifachen Fläche, das mit der Idee eines Jugendhauses wenig zu tun hat. Die Stadt hätte die Bedarfe von Bücherei, Quartiersmanagement und Jugendarbeit vor dem Wettbewerb zusammen denken müssen, statt sie nach Jahren auf den Siegerentwurf zu stapeln. Dass sich ein 2020 saniertes Gebäude weder barrierefrei erschließen lässt noch seine Fläche voll nutzen kann, spricht gegen die damalige Sanierung. Bevor ein Neubau im Überschwemmungsgebiet geplant wird, sollte die Stadt zuerst klären, was die bereits bezahlte Sanierung des Alten Rathauses noch leisten kann und wie sie ihr Raumprogramm auf das Notwendige begrenzt.

04/6100-9249/2026: Umgestaltung Ortsmitte Lengfeld Hier: Ergebnis Nutzerworkshop (März 2026), Ratsinformationssystem der Stadt Würzburg, 17. November 2016. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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