Staatsbilanz

Stadt/Würzburg/Kostensteigerung

Theater-Sanierung: 242 statt 103 Mio. Euro

Die Sanierung des Würzburger Theaters kostet nun 242 statt 103 Millionen Euro, doch nur 128 Millionen sind durch Aufträge oder Angebote belegt

Was ist passiert?

Das Mainfranken Theater in Würzburg wird seit Jahren saniert und erweitert. Der Neubau mit Kleinem Haus und Probebühne eröffnete im Dezember 2023, das Bestandsgebäude steht bislang nur als Rohbau. Ursprünglich war die Gesamtmaßnahme für 2022 als fertig angenommen worden, nun sollen die Bauarbeiten Ende 2030 enden.

Im Oktober 2026 legte die Stadt dem Stadtrat einen neuen Gesamtprojektrahmen von 242 Mio. Euro vor. Im Jahr 2021 waren noch 103 Mio. Euro beschlossen worden, der Rahmen hat sich damit um 139 Mio. Euro erhöht (242 minus 103) und ist mehr als doppelt so hoch. Als Hauptursache nennt die Vorlage Baupreissteigerungen durch die jahrelangen Verzögerungen. Seit der ursprünglichen Kostenberechnung im Juni 2018 stiegen die Baupreise um 67 Prozent. Bis Projektende rechnet die Stadt mit 67,2 Mio. Euro Preissteigerung, eingeplant waren damals 4,15 Mio. Euro. Die reinen Mehrkosten betragen also rund 63 Mio. Euro. Hinzu kommen 20 bis 25 Mio. Euro für den Wechsel der Planer, nachdem Architekt und Fachplaner für die Gebäudetechnik gekündigt worden waren.

Die Stadt rechnet selbst vor, dass ein belastbares Preisschild zu Projektbeginn bei etwa 150 bis 160 Mio. Euro gelegen hätte. Doch auch die neue Zahl steht auf wackligem Grund. Die Ausführungsplanung liegt nicht vor, sie soll bis Mitte 2027 folgen, bepreiste Leistungsverzeichnisse fehlen ebenfalls. Belegt durch Aufträge, Abrechnungen oder Angebote sind nur 128,2 Mio. Euro, das ist gut die Hälfte der 242 Mio. Euro. Den Rest bilden Prognosen, darunter 14,1 Mio. Euro für Nachträge, 11,2 Mio. Euro übergreifender Sicherheitszuschlag und 5,0 Mio. Euro Aufschlag für noch ausstehende Bauleistungen. Dazu kommen 9,8 Mio. Euro für ungeklärte Vergütungsforderungen.

Bezahlt wird überwiegend auf Pump: Von den 242 Mio. Euro sollen 184,7 Mio. Euro über Darlehen mit Laufzeiten bis 2063 und 3,7 Prozent Zinsen laufen. Allein ab 2034 sind dafür Zinszuschüsse der Stadt von rund 96 Mio. Euro vorgesehen.

Kritik

Ein Rahmen, der binnen weniger Jahre von 103 auf 242 Mio. Euro springt, war nie ein Rahmen, sondern eine Hoffnung. Wer ein Großprojekt ohne belastbare Kostenberechnung beschließt und Planer erst nach Jahren auswechselt, zahlt am Ende für jede Verzögerung mit. Dass die neue Zahl wieder ohne Ausführungsplanung entstand, macht die Sorge groß, dass es nicht die letzte Erhöhung bleibt. Vor weiteren Beschlüssen gehören geprüfte, bepreiste Leistungsverzeichnisse auf den Tisch, und die Stadt sollte Schadensersatzansprüche gegen die früheren Planer konsequent verfolgen.

63/4540-9460/2026: Anpassung des Gesamtprojektrahmens für die Sanierung und Erweiterung des Mainfranken Theater Würzburg, Ratsinformationssystem der Stadt Würzburg, 7. Oktober 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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