Neuer Bahnhalt: 30 statt 2,1 Millionen
Für einen neuen Zughalt in Würzburg-Heidingsfeld rechnen Freistaat und Bahn jetzt mit 30 Millionen Euro statt 2,1 Millionen und stoppen das Projekt
Was ist passiert?
Im Würzburger Stadtteil Heidingsfeld hält seit 1987 kein Zug mehr. Damals wurde der alte Haltepunkt Heidingsfeld West stillgelegt. 2002 wünschte sich die Stadt, den Stadtteil wieder an den Schienennahverkehr anzuschließen. Ein neuer Halt am Heriedenweg sollte das ermöglichen.
Die erste Grobschätzung der Bahn aus dem Jahr 2009 lautete auf 2,1 Mio. Euro. Es folgten ein Grundsatzbeschluss des Stadtrats (2011), mehrere Prognosen und Nutzenbetrachtungen sowie 2016 die nachträgliche Aufnahme in ein Sonderinvestitionsprogramm der Bayerischen Eisenbahngesellschaft. Die Bedingung dafür: Die Stadt musste bis zum 31. Juli 2016 beim Eisenbahn-Bundesamt die Genehmigungsfähigkeit der Fußgängerführung einholen. Die Bestätigung kam am 27. Juli, vier Tage vor Fristende. Als Fertigstellung nannte der Stadtrat 2017 den Dezember 2021. 2019 wurde der Termin auf Dezember 2026 verschoben, ein Aufschub um fünf Jahre.
Doch auch dieser Termin war am Ende nicht zu halten. 2025 meldete die Bahn Stillstand wegen personeller Engpässe, mindestens bis zum Jahresende 2026. Dann folgte die Nachricht, die alles beendete: Der Freistaat und die Bahn wollen das Projekt einstellen. Die neue Kostenschätzung beträgt 30 Mio. Euro, und das bereits unter Anwendung der günstigeren Ampellösung für die Fußgängerführung. Das ist rund das 14-Fache der ersten Schätzung (30 : 2,1 ≈ 14,3), ein Aufschlag von 27,9 Mio. Euro. Die DB InfraGO erklärte, haushalts- und wirtschaftsbezogene Rahmenbedingungen ließen keine wirtschaftliche Weiterverfolgung zu.
Der Stadtrat beschloss am 16. Juli 2026, sich weiter für den Halt einzusetzen, notfalls in baulich einfacherer Form. Die negative Prognose sei aus Sicht der Stadt nur ein Zwischenstand. Nach 17 Jahren seit der ersten Schätzung steht damit weder ein Bahnsteig noch ein Zug, aber ein Projekt, das erst im Gespräch mit dem Staatsministerium wieder Boden unter die Räder bekommen soll.
Kritik
Über 17 Jahre lief ein Projekt weiter, dessen Kosten auf einer Grobschätzung von 2009 beruhten und dessen Termine mehrfach verschoben wurden. Wer ein Vorhaben so lange mit Beschlüssen, Prognosen und Genehmigungsschleifen begleitet, muss die Kosten regelmäßig und belastbar überprüfen, damit die Frage nach der Wirtschaftlichkeit nicht erst nach Jahren auf dem Tisch liegt. Ein Stillstand wegen fehlenden Personals bei der Bahn zeigt zudem, dass das Projekt nicht verlässlich getragen wurde. Hätte man früh ehrlich gerechnet und entweder eine tragfähige einfache Lösung gewählt oder das Vorhaben rechtzeitig beendet, wäre Stadt und Steuerzahlern viel Aufwand erspart geblieben.
00/1000-9219/2026: Antrag auf Berichterstattung: Sachstand Verkehrsstation Würzburg-Heidingsfeld West (Antrag Nr. 47/2026 vom 07.07.2026 des Stadtratsmitglied Feldinger - auch namens der SPD/Volt-Fraktionsgemeinschaft), Ratsinformationssystem der Stadt Würzburg, 7. Juli 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.