Theatersanierung in Würzburg fast verdreifacht
Die Sanierung des Mainfranken Theaters in Würzburg soll statt 50,5 nun 145,9 Millionen Euro kosten und wird erst 2030 fertig
Was ist passiert?
Das Mainfranken Theater gehört der Stadt Würzburg und wird als städtischer Eigenbetrieb geführt. Das Haus sollte saniert und um ein neues Kopfgebäude erweitert werden. Im Wirtschaftsplan 2016/17 standen dafür 50,474 Mio. Euro.
Der Neubau wurde am 2. Dezember 2023 eröffnet, nach mehr als drei Jahren Verspätung. Die Sanierung des Bestandsgebäudes sollte im August 2020 beginnen. Heute heißt es, sie werde nicht vor 2030 fertig, also gut ein Jahrzehnt nach dem geplanten Start.
Die Ursache sieht der Bauherr zum großen Teil bei der Planung. Abbruch und Rohbau des Bestands verzögerten sich nach seiner Darstellung wegen einer unvollständigen und mangelhaften Ausführungs- und Bauablaufplanung. Dem Objektplaner wurde gekündigt, er ist inzwischen insolvent. Auch der Fachplaner für die Haustechnik wurde ausgetauscht. Die neuen Planer prüfen und überarbeiten nun die bestehende Planung. Erst Ende August 2026 sollten erste vorgezogene Arbeiten an den Lichtschächten und im Außenbereich beginnen.
Die Kosten folgten dem Zeitplan nach oben. Der Gesamtprojektrahmen wurde für Ausgaben bis 2029 auf 145,9 Mio. Euro erhöht. Das sind rund 95,4 Mio. Euro mehr als 2016/17 (145,9 minus 50,474) und knapp das Dreifache des einstigen Betrags (145,9 geteilt durch 50,474 ergibt etwa 2,9). Der Stadtrat genehmigte am 25. Juni 2026 innerhalb dieses Rahmens Aufträge bis 135,0 Mio. Euro, davon trägt die Stadt 73,7 Mio. Euro selbst. Bis August 2026 waren 81,9 Mio. Euro ausgegeben und 101,7 Mio. Euro durch Aufträge gebunden. Der Förderbescheid über 50,3 Mio. Euro bezieht sich auf 72,0 Mio. Euro anerkannte Ausgaben.
Wie viel die Kündigungen und die Neuausschreibung der Planung zusätzlich kosten, lässt sich laut Bericht noch nicht beziffern. Dazu kommen Baupreissteigerungen über die verlängerte Bauzeit. Eine neue Gesamtkostenprognose war in Arbeit und sollte im Oktober 2026 die Grundlage für eine weitere Anpassung des Rahmens bilden. Vom Spendenziel der Bürgerschaft von 1,0 Mio. Euro waren 141.500 Euro durch 283 Sesselpatenschaften zu je 500 Euro belegt.
Kritik
Wer ein denkmalgeschütztes Haus im Bestand saniert, muss vor dem ersten Bauauftrag eine vollständige und belastbare Ausführungsplanung haben. Hier wurde gebaut, obwohl diese Planung nach Darstellung des Bauherrn lückenhaft und mangelhaft war, und am Ende musste ein Teil der Planer ausgetauscht werden. Die Stadt sollte prüfen, ob sie die Mehrkosten gegenüber den früheren Planern geltend machen kann, und die Auswahl und Kontrolle ihrer Planer künftig strenger handhaben. Eine Verdreifachung der Kosten bei zehn Jahren Verzug ist kein Preisanstieg, sondern ein Steuerungsversagen, das am Ende die Stadtkasse mit 73,7 Mio. Euro Eigenanteil trägt.
01/2000-9366/2026: Finanzcontrolling; Quartalsberichte Großprojekte (3. Quartal 2026), Ratsinformationssystem der Stadt Würzburg, 17. September 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.