Würzburg verbrennt Gas und kauft Strom
Im Würzburger Klärwerk fasst der Gasspeicher nur 4,5 Stunden Gas, deshalb kaufte die Stadt an 13 Tagen Strom für 10.015,80 Euro
Was ist passiert?
Würzburg (BY). Im Klärwerk der Stadt wird aus Klärschlamm in Faultürmen Gas gewonnen. Blockheizkraftwerke (BHKW) machen daraus Strom für den Eigenbedarf der Anlage. Ein Gasspeicher mit 2.500 Kubikmetern Fassungsvermögen soll Zeiten überbrücken, in denen das Gas nicht sofort verstromt werden kann.
Im Jahr 2025 kamen solche Zeiten oft vor. An 13 Tagen regelte der Netzbetreiber die BHKW ab. Zusammengerechnet standen sie gut 78 Stunden still (4.684 Minuten), an einem Tag allein 8 Stunden und 14 Minuten. Die Stadt musste den fehlenden Strom zukaufen, laut Verwaltung rund 47.500 Kilowattstunden für 10.015,80 Euro. Das macht knapp 770 Euro je Abregelungstag (10.015,80 Euro geteilt durch 13). Hinzu kam Stadtgas, denn die Brenner der Faulbehälter dürfen nicht mit Klärgas laufen und mussten in dieser Zeit anders beheizt werden. Was das kostete, nennt die Antwort nicht.
Der Speicher sollte genau dieses Problem entschärfen, kann es aber nur zum Teil. Wegen des nötigen Vordrucks müssen immer etwa 700 Kubikmeter im Behälter bleiben, nutzbar sind also nur 1.800. Die Faulbehälter liefern etwa 400 Kubikmeter Gas pro Stunde. Der Speicher ist damit nach 4,5 Stunden voll (1.800 geteilt durch 400). An 11 der 13 Tage dauerte die Abregelung länger. War der Höchststand erreicht, schaltete der Entwässerungsbetrieb die BHKW wieder zu, um unerlaubtes Verbrennen von Gas zu vermeiden. Trotzdem gingen rund 1.000 Kubikmeter Klärgas über die Notfackel in Rauch auf.
Die Zahlen für 2023 und 2024, nach denen das Stadtratsmitglied ebenfalls gefragt hatte, lieferte die Verwaltung nicht.
Kritik
Ein Speicher, der gerade 4,5 Stunden Gasproduktion aufnimmt, passt nicht zu Abregelungen von bis zu über 8 Stunden. Dass die Stadt Strom und Stadtgas einkauft, während selbst erzeugtes Klärgas verbrannt wird, ist der Kern des Problems. Die Stadt hätte die Speichergröße gegen die absehbare Dauer der Abregelungen prüfen und rechnen müssen, was eine größere Speicherreserve oder eine flexiblere Nutzung des Gases spart. Dass sie nicht einmal die Folgen der Vorjahre auswertete, zeigt, wie wenig das Problem bisher verfolgt wurde.
00/1000-8904/2026: Anfrage Stadtratsmitglied Dürr vom 22.03.2026 zu Entgangene Stromerzeugung aufgrund von Abregelungen der BHKW im Klärwerk, Ratsinformationssystem der Stadt Würzburg, 16. April 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.