Staatsbilanz

Stadt/Würzburg/Kostensteigerung

Würzburger Theater: 146 statt 103 Millionen

Die Stadt Würzburg rechnet für die Sanierung des Mainfranken Theaters mit 145,9 Millionen Euro, beschlossen waren 103 Millionen, geplant einst 72

Was ist passiert?

Das Mainfranken Theater in Würzburg wird seit 2018 saniert und erweitert. Der Neubau mit dem Kleinen Haus ist seit Dezember 2023 in Betrieb. Das Große Haus im Bestandsgebäude sollte ursprünglich im Herbst 2022 wieder öffnen. Bis dahin spielt das Ensemble teils in einer angemieteten Interimsspielstätte, der Blauen Halle. Im Förderantrag standen 2018 noch 72 Mio. Euro, Ende 2021 beschloss der Stadtrat ein Budget von 103 Mio. Euro.

Dann kippte die Planung. Der erste Architekt wurde im Sommer 2022 gekündigt und ging insolvent. Im Sommer 2023 traf es auch den Planer für die Gebäudetechnik. Für ihn fand sich erst im dritten europaweiten Vergabeverfahren, rund eineinhalb Jahre später, ein Ersatz. Seit Anfang 2025 ist das Planungsteam wieder komplett. Es stellt fest, dass die Unterlagen der Vorgänger nicht belastbar sind und teils bis in frühere Planungsphasen zurück überarbeitet werden müssen. Die Kostenberechnung des ersten Architekten nennt die Stadt selbst „in eklatantem Maße“ nicht belastbar. Der Rohbau steht, die Baustelle ruht.

Bis Ende 2025 waren rund 78,5 Mio. Euro verbaut. Für 2026 bis 2029 plant die Stadt weitere 67,4 Mio. Euro ein, zusammen 145,9 Mio. Euro. Das sind 42,9 Mio. Euro oder knapp 42 Prozent mehr als beschlossen (145,9 minus 103). Gegenüber den 72 Mio. Euro aus dem Förderantrag ist es mehr als das Doppelte. Offiziell ist das keine Kostenprognose, sondern ein „Planungsszenario“. Die Gesamtkosten werden laut Theater darüber liegen. Eine fundierte Zahl soll erst bis Sommer oder Herbst 2026 vorliegen, ursprünglich war sie für Herbst 2025 angekündigt.

Die Übergabe ist frühestens Ende 2029 möglich, etwa sieben Jahre nach dem ersten Plan. Allein die Mieten für die Ausweichquartiere sind für die Spielzeit 2026/27 mit 1 Mio. Euro angesetzt. Die Förderung des Freistaats von 10,011 Mio. Euro fließt später als geplant.

Kritik

Die Stadt hat einen Rohbau errichtet, ohne dass eine belastbare Ausbauplanung und Kostenberechnung vorlag. Diese Lücke zeigt sich erst jetzt, nach Kündigungen, Insolvenz und Stillstand. Der Stadtrat beschloss 2021 ein Budget, das auf einer Kostenberechnung beruhte, die sich später als unbrauchbar erwies. Vor jedem weiteren Bauabschnitt hätte die Planung der Fachbüros unabhängig geprüft werden müssen. Jetzt bleibt den Bürgern ein Projekt, dessen Endpreis noch niemand kennt.

63/4540-8833/2026: geänderter Wirtschaftsplan GJ 2026/ 27 des Eigenbetriebes Mainfranken Theater Würzburg, Ratsinformationssystem der Stadt Würzburg, 12. März 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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