Würzburger Theater: 32 Millionen mehr
Würzburg baut sein Theater um, die Pläne taugten nicht, nun steigt der Geldrahmen von 103 auf 135 Millionen Euro und die Baustelle steht still
Was ist passiert?
Das Mainfranken Theater ist das städtische Haus der Stadt Würzburg. Es wird saniert und erweitert. Im September 2021 beschloss der Stadtrat dafür einen Projektrahmen von 103 Mio. Euro. Fertig sein soll das Theater nach heutiger Planung 2030.
Im Juni 2026 stellte sich heraus, dass der Rahmen praktisch aufgebraucht war. Die eingegangenen Verbindlichkeiten lagen bei rund 102,1 Mio. Euro, es blieben also gerade einmal 0,9 Mio. Euro Luft. Ausgezahlt waren davon erst rund 82 Mio. Euro. Der Stadtrat hob den Rahmen deshalb auf 135 Mio. Euro an, rechnerisch 32 Mio. Euro oder knapp 31 Prozent mehr (135 minus 103; 32 geteilt durch 103). Die Summe setzt sich aus den bisherigen 102 Mio. Euro, rund 12 Mio. Euro für offene Forderungen und Honorare und rund 21 Mio. Euro für anstehende Vergaben zusammen. Die Stadt betont, es handle sich nicht um eine Kostenprognose, sondern um eine Zwischenfinanzierung, damit die Bauherrin handlungsfähig bleibt.
Der Grund liegt in der Planung. Die neu beauftragten Büros prüften die Ausführungsplanung des ursprünglichen Architekturbüros und des 2023 gekündigten Gebäudetechnikplaners. Ergebnis: nicht abschließend belastbar. Der Rohbau steht trotzdem schon. Die Korrektur dauert länger als gedacht, die für Herbst 2025 angekündigte überarbeitete Planung kam nicht. Zudem steht die Baustelle still, was die Stadt selbst als größtes Kostenrisiko benennt. Die Forderungen der Baufirmen entstehen größtenteils durch Bauverzug und Projektverschiebung, ein Teil davon ist noch strittig.
Was das Theater am Ende kostet, soll erst die Gesamtkostenprognose im Herbst 2026 zeigen. Eingeplant sind im Haushalt bis 2029 bereits 145,9 Mio. Euro, rund 43 Mio. Euro oder gut 41 Prozent mehr als der ursprüngliche Beschluss (145,9 minus 103).
Kritik
Ein Rohbau gehört auf eine geprüfte Ausführungsplanung, nicht auf Unterlagen, die sich Jahre später als nicht belastbar erweisen. Wer 102 Mio. Euro bindet, bevor die Planung trägt, nimmt Verzug und Nachforderungen sehenden Auges in Kauf. Der Stillstand verschärft das, denn jeder Monat ohne Baufortschritt treibt die Forderungen der Firmen weiter. Die Stadt sollte klären, ob die früheren Planungsbüros für die Mängel einstehen müssen, und die Bürger rasch über die wahren Gesamtkosten informieren.
63/4540-9058-01/2026: Sanierung und Erweiterung Mainfranken Theater Würzburg - Erhöhung Projektrahmen auf 135 Mio. EUR, Ratsinformationssystem der Stadt Würzburg, 25. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.