Staatsbilanz

Stadt/Würzburg/Finanzrisiko

Zuschuss vor Finanzierungsplan

Würzburg will eine Arena mit bis zu 34,5 Mio. Euro bezuschussen, obwohl der Finanzierungsplan erst im Herbst 2026 kommen soll.

Was ist passiert?

Seit 2019 beschäftigt die unterfränkische Stadt der Plan für eine Multifunktionsarena für Konzerte und Sport mit etwa 6.000 bis 7.000 Plätzen. Gebaut werden soll sie von einer Projektgesellschaft der Zukunftsstiftung Würzburg und anschließend an einen Betreiber verpachtet werden. Wegen Corona, Ukrainekrieg, Preissteigerungen und höherer Zinsen musste das Vorhaben schon zweimal pausieren.

Nun soll der Stadtrat laut Beschlussvorschlag für seine Sitzung am 30. Juli 2026 den nächsten Schritt gehen: Die Stadt will die Arena mit bis zu 34,5 Mio. Euro bezuschussen. Der Gesamtbedarf liegt bei rund 85 Mio. Euro, die Stadt würde also gut 41 Prozent tragen (34,5 : 85). Der Zuschuss ist als verlorener Zuschuss gedacht und soll über mehrere Jahre fließen. Dazu kommen Grundstücke, die die Stadt per Kredit erwerben und der Projektgesellschaft langfristig unentgeltlich im Erbbaurecht überlassen soll, sowie Bürgschaften für den Fremdkapitalanteil.

Wie das alles bezahlt werden soll, ist offen. Den genauen Finanzierungsplan samt Aufteilung der Zuschussraten will die Stadt erst im Herbst 2026 vorlegen. Dabei beschreibt sie ihre eigene Haushaltslage als seit Jahren angespannt. Gegenfinanziert werden soll unter anderem über eine höhere Gewerbesteuer, die seit 1991 unverändert ist und in einem eigenen Beschluss angehoben werden soll.

Die Stadt wirbt mit einem „Aufbruchssignal“ im Wettbewerb um Besucher und Fachkräfte. Belegt wird der Nutzen mit einer Studie aus dem Jahr 2021: Im laufenden Betrieb entstünden bis zu 30 direkte und 74 indirekte Arbeitsplätze, außerdem rund 11,67 Mio. Euro zusätzlicher Umsatz außerhalb der Arena. Eine Aktualisierung würde nach Einschätzung der Stadt ein noch höheres Volumen ergeben. Rechnerisch käme auf jeden der bis zu 104 Arbeitsplätze ein städtischer Zuschuss von rund 332.000 Euro (34,5 Mio. : 104).

Kritik

Die Stadt bindet sich mit Zuschuss, kostenlosen Grundstücken und Bürgschaften für ein 85-Millionen-Projekt, obwohl ihr Haushalt seit Jahren angespannt ist. Der versprochene Nutzen stützt sich auf eine fünf Jahre alte Studie, während die Baukosten in dieser Zeit gestiegen sind. Besonders riskant sind die Bürgschaften, denn im Zweifel haften dafür die Bürger. Erst wenn belastbare Kosten und ein tragfähiger Finanzierungsplan vorliegen, hätte die Stadt Zusagen machen dürfen, und sie sollte ihren Anteil klar deckeln.

00/0000-9260/2026: Grundsatzbeschluss Multifunktionsarena, Ratsinformationssystem der Stadt Würzburg, 30. Juli 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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