Aachen: Schulhelfer um 2,25 Mio. teurer
Aachen zahlt für Helfer, die Kinder durch den Schultag begleiten, 3,61 statt 1,36 Millionen Euro, bei nur 61 Prozent mehr Kindern
Was ist passiert?
Wenn ein Kind mit seelischer Beeinträchtigung im Unterricht allein nicht zurechtkommt, kann die Stadt eine Schulbegleitung bezahlen, also eine Person, die das Kind durch den Schultag begleitet. In Aachen ist das längst ein Massengeschäft: Jeder dritte Antrag auf Eingliederungshilfe betrifft eine Schulbegleitung.
Im Schuljahr 2020/21 gab es 104 solcher Begleitungen, sie kosteten 1,36 Mio. Euro. Im Schuljahr 2024/25 waren es 167 Begleitungen für 3,61 Mio. Euro. Die Zahl der Fälle stieg damit um 61 Prozent (63 mehr bei 104 Fällen), die Kosten dagegen um 166 Prozent. Rechnerisch kostete eine Begleitung zuletzt rund 21.600 Euro statt zuvor rund 13.000 Euro (3,61 Mio. geteilt durch 167 gegenüber 1,36 Mio. geteilt durch 104). Die Verwaltung verweist auf mehr geleistete Fachleistungsstunden. Warum der Stundenumfang je Fall so wächst, erklärt sie nicht.
Noch schwerer nachzuvollziehen ist die Planung für den gesamten Bereich der Hilfen zur Erziehung. Im Oktober 2025 rechnete die Stadt mit einem Mehrbedarf von rund 1,2 Mio. Euro, im Dezember bezifferte sie ihn auf 1.285.000 Euro. Mitte Januar 2026 zeigte sich, dass die Mittel für den anstehenden Rechenlauf nicht reichten. Der Mehrbedarf wurde auf rund 3,2 Mio. Euro angehoben, das Zweieinhalbfache des Dezemberwerts (3,2 Mio. geteilt durch 1,285 Mio.), und das nach wenigen Wochen.
Die Stadt erklärt das mit Buchungseffekten. Rechnungen waren schon 2024 vorgezogen gestellt worden, hinzu kam eine Fehlbuchung in relevanter Höhe, außerdem trieben einzelne teure Fälle zur Abwendung von Kindeswohlgefährdungen die Ausgaben. Die Prognosemethode habe dadurch verzerrte Ergebnisse geliefert. Am Ende lag der Aufwand im klassischen Bereich bei 61,1 Mio. Euro, der ursprüngliche Ansatz hatte 58,2 Mio. Euro betragen. Für 2026 wurde der Ansatz auf dem stationären Konto um 2 Mio. Euro erhöht. Eine belastbare Prognose der Gesamtkosten soll erst in der zweiten Jahreshälfte 2026 vorgelegt werden.
Kritik
Wenn eine einzelne Schulbegleitung binnen vier Schuljahren rund 8.600 Euro teurer wird, muss die Stadt wissen, wofür: für mehr Stunden, höhere Stundensätze oder aufwendigere Fälle. Wer die Kosten je Fall nicht steuert, kann auch nicht verlässlich planen. Eine Prognose, die binnen eines Monats um mehr als die Hälfte danebenliegt, taugt nicht als Grundlage für den Haushalt. Die Stadt sollte Stundenumfang und Entgelte je Fall regelmäßig prüfen und ihre Vorhersage so absichern, dass Fehlbuchungen nicht erst beim Rechenlauf auffallen.
1009035: Sachstandbericht für den Bereich der Hilfen zur Erziehung/Eingliederungshilfe nach SGB VIII für den Zeitraum 01.01.2025 bis zum 31.12.2025, Ratsinformationssystem der Stadt Aachen, 28. April 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.