Aachens Museen zahlen 297.000 Euro mehr für Wächter
Beim städtischen Kulturbetrieb in Aachen mit Museen und Bibliothek kostet die Bewachung 937.900 statt 641.200 Euro, das Minus liegt bei 549.000 Euro
Was ist passiert?
Zum städtischen Kulturbetrieb in Aachen gehören unter anderem das Suermondt-Ludwig-Museum, das Ludwig Forum, die Musikschule und die Stadtbibliothek. Für 2025 war ein Zuschuss der Stadt von gut 24,6 Mio. Euro eingeplant, am Ende werden es voraussichtlich rund 24,7 Mio. Euro. Reicht das? Nein.
Zum Jahresende steht ein Defizit von 392.900 Euro in den Büchern. Zusammen mit dem Verlust aus 2024 (156.287,83 Euro) sind es 549.187,83 Euro. Übernehmen soll sie das städtische Dezernat II, der Kulturbetrieb selbst bleibt davon unberührt. Dabei hat sich das Ergebnis schon geschönt: Aufgelöste Rückstellungen von 228.100 Euro drückten das Minus. Ohne sie läge das Jahresdefizit bei 621.000 Euro (392.900 plus 228.100).
Ein Grund ist der Zeitplan. Die höheren Eintrittsentgelte sollten laut Wirtschaftsplan schon ab dem 1. Januar 2025 gelten. Beschlossen wurde der Plan aber erst am 12. März 2025, die neue Entgeltordnung folgte am 1. Juni. Die Eintrittsgelder liegen deshalb rund 37.000 Euro unter Plan. Das Angebot „Gemeinsam morgens ins Museum“ startete erst am 1. September statt im Januar. Das kostete 72.900 Euro Einnahmen, gespart wurden nur Honorare. Unterm Strich blieben 40.600 Euro Defizit.
Der größte Posten ist die Bewachung. Geplant waren 641.200 Euro für Servicedienste, erwartet werden 937.900 Euro. Das sind 296.700 Euro mehr, also 46 Prozent über Plan oder rund 813 Euro zusätzlich an jedem Tag des Jahres (296.700 : 365). Die Stadt nennt als Gründe die Tariferhöhung der Wachfirma und Krankenstände. Für die Folgejahre rechnet sie mit weiter hohen Kosten, zumal die Dachsanierung am Alten Kurhaus Mieter abschreckt.
Kritik
Wer Einnahmen für einen Stichtag einplant, der beim Beschluss des Plans schon vorbei ist, plant mit Geld, das nicht kommen kann. Auch die Wachkosten waren kein Überraschungsereignis, sondern eine absehbare Vertragsfrage, die mit einem realistischen Ansatz oder einer Neuausschreibung hätte angegangen werden müssen. Rückstellungen aufzulösen, um das Minus kleiner aussehen zu lassen, ersetzt keine solide Kalkulation. Die Stadt sollte Termine nur dann in den Plan schreiben, wenn sie beschlossen sind, und die Bewachung auf den Prüfstand stellen.
1007354: Vierteljahresbericht zum Wirtschaftsjahr 2025 per 31.12.2025 (4. Quartal) des Kulturbetriebs (E 49), Ratsinformationssystem der Stadt Aachen, 19. März 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.