Dach-Reparatur kostet in Aachen fast das Doppelte
Das undichte Dach des Aachener Kongresszentrums Eurogress soll 6,5 statt geschätzter 3,4 Millionen Euro kosten, die Stadt bürgt für den Kredit
Was ist passiert?
Das Eurogress ist das Kongress- und Veranstaltungszentrum der Stadt Aachen und wird als städtischer Eigenbetrieb geführt. Zu ihm gehören außerdem der Bendplatz, ein Veranstaltungsbereich im Fußballstadion Tivoli und seit 2019 das Kurhaus, das nach jahrelanger Sanierung im Sommer 2026 den Betrieb aufnehmen soll. Das Haupthaus hat allerdings ein Problem von oben: Das Dach ist undicht, im Wirtschaftsplan ist von „zahlreichen Durchregnungen“ die Rede.
Die Sanierung ist für die Jahre 2023 bis 2028 vorgesehen und läuft in drei Bauabschnitten. Ein Dauerumbau am Stück hätte das Haus für längere Zeit schließen müssen, und dann wären die Umsätze komplett weggefallen. Eine Schätzung von 2020 nannte rund 3,4 Mio. Euro, mit einer Schwankungsbreite von plus/minus 25 Prozent. Nun liegen konkrete Angebote vor, und der Ansatz muss auf etwa 6,5 Mio. Euro steigen. Das ist fast das Doppelte (6,5 : 3,4 = 1,9). Selbst die obere Grenze der damaligen Spanne, 4,25 Mio. Euro (3,4 × 1,25), wird um gut 2,2 Mio. Euro überschritten. Die Mehrkosten von rund 3,1 Mio. Euro sind mehr, als die Stadt dem Betrieb 2026 an laufendem Zuschuss überweist (2,44 Mio. Euro). Obendrauf kommt eine Photovoltaikanlage für rund 995.000 Euro, die sich laut Plan über gesparte Stromkosten vollständig amortisieren soll.
Bezahlt werden soll das Ganze Anfang 2028 mit Darlehen von 6,5 Mio. Euro für das Dach und rund 996.000 Euro für die Anlage. Sie sollen über die Eurogress Aachen Betriebs-GmbH laufen und von der Stadt verbürgt werden. Zinsen, Tilgung und Fördermöglichkeiten sind noch nicht verhandelt.
Das Dach trifft dabei auf einen Betrieb, der ohnehin tief im Minus steht. Für 2026 ist ein Jahresfehlbetrag von 5,169 Mio. Euro geplant, nach 3,736 Mio. Euro im Vorjahr. Der städtische Zuschuss deckt davon 2,44 Mio. Euro, die übrigen 2,73 Mio. Euro werden der Kapitalrücklage entnommen. Allein das Kurhaus soll 2026 knapp 0,49 Mio. Euro Umsatz bringen, bei Aufwendungen von 3,2 Mio. Euro. Auch für die Jahre bis 2029 sind Fehlbeträge von jeweils gut 5 Mio. Euro eingeplant.
Kritik
Eine Kostenschätzung, die im Ergebnis um fast 91 Prozent daneben liegt und selbst ihre eigene Toleranz von 25 Prozent weit sprengt, taugt nicht als Grundlage für eine Millionenentscheidung. Die Sanierung in kleinen Abschnitten über sechs Jahre mag den Betrieb schonen, setzt das Vorhaben aber über Jahre allen Preisentwicklungen aus. Dass ein Eigenbetrieb, der schon jetzt jährlich rund 5 Mio. Euro Verlust plant, zusätzlich fast 7,5 Mio. Euro Darlehen mit städtischer Bürgschaft aufnehmen soll, verschärft die Lage weiter. Vor einer Finanzierung hätten die Angebote geprüft und günstigere Wege der Dachertüchtigung abgewogen werden müssen, und das Defizit des Hauses gehört auf den Prüfstand.
1005023: Wirtschaftsplan Eurogress Aachen 2026, Ratsinformationssystem der Stadt Aachen, 24. Februar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.