Dachsanierung am Eurogress wird 3 Mio. teurer
Aachen saniert das Dach seiner Veranstaltungshalle statt für 4,4 nun für 7,4 Millionen Euro, weil Veranstaltungen im Haus zu spät bedacht wurden
Was ist passiert?
Das Eurogress, heute unter dem Namen Aachen Event geführt, ist die Veranstaltungsstätte der Stadt. Sein Dach mit Europa-Saal und Sheddach muss saniert werden. Zuerst waren drei Bauabschnitte vorgesehen, später blieben zwei: erst der Europa-Saal, dann das Sheddach.
Im Dezember 2023 rechnete die Stadt für beide Abschnitte zusammen mit 4,45 Mio. Euro netto. Nach der Vergabe 2026 stehen nun 7,39 Mio. Euro in der Tabelle. Das sind rund 2,95 Mio. Euro mehr (7.394.432 minus 4.449.177 Euro), also etwa zwei Drittel obendrauf.
Schon der erste Abschnitt wurde teurer: Statt 1,1 Mio. kosteten die Arbeiten am Europa-Saal 1,67 Mio. Euro. Beim Sheddach wuchs der Ansatz von 3,35 Mio. auf 5,22 Mio. Euro (Kostenberechnung 2025) und schließlich auf 5,72 Mio. Euro. Als Gründe nennt die Vorlage unvorhersehbare Arbeiten an innenliegenden Abflüssen, versetzte Rauchgasventilatoren und ein komplexes Gerüst.
Am meisten sticht eine andere Begründung heraus. Kostenberechnungen gehen standardmäßig davon aus, dass ohne Unterbrechung gebaut wird. Das Eurogress läuft aber weiter. Wenn Veranstaltungen keinen Lärm vertragen, ruhen die Arbeiten, und das Gerüst steht länger. Dass in einem Veranstaltungshaus gelegentlich Veranstaltungen stattfinden, ist die Verwaltung also erst beim Ausschreiben aufgefallen.
Drei Ausschreibungen wurden aufgehoben, weil kein wirtschaftlich annehmbares Angebot einging. Erst die vierte fand einen Auftragnehmer. Die Bauzeit ist auf zwei Jahre veranschlagt und könnte sich witterungsbedingt noch verlängern, wie schon beim ersten Abschnitt.
Förderung gibt es aus der Bundesförderung für effiziente Gebäude: 131.120 Euro für den ersten und 323.108 Euro für den zweiten Abschnitt, zusammen 454.228 Euro. Das deckt rund 15 Prozent der Mehrkosten (454.228 geteilt durch 2.945.255 Euro).
Kritik
Dass ein Dach im laufenden Veranstaltungsbetrieb nicht am Stück saniert werden kann, war von Anfang an absehbar. Es hätte schon in die erste Kostenberechnung gehört, nicht erst in die Erklärung für Mehrkosten. Wer mit einer Annahme rechnet, die auf der Baustelle von vornherein nicht gilt, legt dem Gremium zu niedrige Zahlen vor. Bei einem Vorhaben, das um zwei Drittel teurer wird, hätte die Stadt vor dem Baubeginn ehrlich kalkulieren und Bauzeit und Veranstaltungskalender gemeinsam planen müssen.
1011411: Dachsanierung Eurogress - aktueller Stand, Ratsinformationssystem der Stadt Aachen, 8. September 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.