Staatsbilanz

Stadt/Aachen/Finanzrisiko

Theater Aachen frisst seine Rücklage auf

Das Theater in Aachen macht bis 2031 rund 8,8 Millionen Euro Verlust, und für unklare Bühnentechnik sind 3 Millionen Euro eingeplant

Was ist passiert?

Das Theater Aachen ist ein Drei-Sparten-Haus mit Musiktheater, Schauspiel und Konzerten, das als eigenbetriebsähnliche Einrichtung der Stadt geführt wird. Es spielt in drei Häusern und beschäftigt rund 285 Mitarbeiter. Für die Spielzeit 2026/27 soll die Stadt einen Betriebskostenzuschuss von rund 25,6 Mio. Euro zahlen. Dennoch weist der Wirtschaftsplan ein Defizit von rund 1,4 Mio. Euro aus.

Dabei hatte die Stadt den Zuschuss im Oktober 2024 bereits um 500.000 Euro jährlich angehoben. Das Theater räumt ein, dass trotzdem ein strukturelles Defizit bleibt. Es geht auf tarifbedingte Personalkostensteigerungen zurück, die nie ausgeglichen wurden. Die Aufstockung deckt damit gut ein Drittel des Jahresdefizits (500.000 geteilt durch 1,43 Mio. Euro, rund 35 Prozent).

Bezahlt wird bisher aus der Rücklage. Sie lag Ende 2024/25 bei 7,1 Mio. Euro und soll Mitte 2026 nur noch knapp 6 Mio. Euro betragen. Nach der Mittelfristplanung ist sie 2029/30 mit minus 0,5 Mio. Euro aufgebraucht. Die Defizite von 2026/27 bis 2030/31 summieren sich auf rund 8,8 Mio. Euro (1,43 + 1,75 + 1,53 + 1,78 + 2,27 Mio. Euro). Der Finanzmittelbestand rutscht schon Ende 2028/29 ins Minus.

Die Rechnung ruht auf freundlichen Annahmen: Die Erträge sollen jährlich um optimistische 40.000 Euro steigen, der Sachaufwand soll konstant bleiben, und zwar „in der Hoffnung“, dass sich die Preissteigerungen nicht fortsetzen. Ab 2029 liegt kein Zuschuss mehr vor, weil die städtische Planung dort endet. Er wird einfach eingefroren.

Hinzu kommt die Bühnentechnik. Statt einzelner Reparaturen wie einer neuen Inspizienzanlage soll nach einem Gesamtkonzept die gesamte Technik ertüchtigt werden. Dafür sind für drei Jahre je 1 Mio. Euro angesetzt, wohlwissend, wie das Theater selbst schreibt, dass diese Beträge „ihrer Höhe nach zum jetzigen Zeitpunkt nicht verifizierbar“ sind. Das Konzept, das die Summe begründen soll, gibt es noch nicht.

Kritik

Ein Haus, das seine Rücklage Jahr für Jahr um 1,4 bis 2,3 Mio. Euro abschmilzt, darf keine Millionensumme für ein Konzept einplanen, das noch nicht existiert. Erst muss feststehen, was die Bühnentechnik wirklich kostet, dann gehört das Geld in die Planung. Die Stadt sollte zudem offen sagen, wie die Lücke ab 2029/30 geschlossen werden soll, statt auf steigende Erträge und gleichbleibende Preise zu hoffen. Wer ein strukturelles Defizit nur mit Rücklage und Zuversicht bekämpft, verschiebt das Problem auf spätere Haushalte.

1007224: Wirtschaftsplan für die Spielzeit 2026/27 von Stadttheater und Musikdirektion Aachen, Ratsinformationssystem der Stadt Aachen, 19. März 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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