Staatsbilanz

Stadt/Augsburg/Fördergeld-Mitnahme

260.000 Euro für ein abgeschafftes Abo

Augsburg gibt mindestens 260.000 Euro aus, um seinen Fahrdienst per App in ein Stadtwerke-Abo einzubauen, das es seit 2024 nicht mehr gibt

Was ist passiert?

Wer in Augsburg abends keinen Bus mehr erwischt, kann bei den Stadtwerken ein swaxi bestellen. Der Ridesharing-Dienst wird per App gebucht, fährt über 3.000 virtuelle Haltestellen an und lässt Fahrgäste mit ähnlichem Ziel gemeinsam in einem Carsharing-Auto fahren. Um solche Angebote auszubauen, beteiligt sich die Stadt am Bundesprogramm „Modellprojekte zur Stärkung des ÖPNV“. Bewilligt sind bis zu 9,7 Mio. Euro für die Jahre 2023 bis 2025.

Einer der Bausteine trägt den Titel „Integration swaxi in Mobil-Flat“. Das Bündelangebot der Stadtwerke sollte um swaxi erweitert werden, dafür sind 208.000 Euro Fördermittel vorgesehen. Allerdings stellten die Stadtwerke die Mobil-Flat zum 1. Januar 2024 ein, also genau ein Jahr nach Projektbeginn. Die Maßnahme lief trotzdem weiter, nur eben ohne das Produkt, um das es ging.

Was stattdessen entstand, liest sich im Zwischenbericht vom Januar 2025 eher bescheiden. Eine deutschlandweite Benchmark-Analyse förderte die Erkenntnis zutage, dass Mobilitätsbündelung „viele Facetten“ habe. Befragungen ergaben, dass künftige Bündel stärker auf die Bedürfnisse der Kundschaft eingehen müssten. Mit wissenschaftlicher Begleitung entstand zudem ein „Visionsbild“.

Greifbar wird es erst im nächsten Schritt: Im ersten Quartal 2025 soll ein gemeinsamer Login für Bus, Tram und swaxi kommen, damit man sich nur einmal registrieren muss. Die technischen Abstimmungen dazu laufen noch. Da der Bund höchstens 80 Prozent der Ausgaben trägt, kostet die Maßnahme insgesamt mindestens 260.000 Euro (208.000 Euro geteilt durch 0,8). Rund 52.000 Euro davon trägt die Stadt selbst.

Auch beim swaxi selbst ist die Zukunft offen. Die Förderung steigt von rund 610.000 Euro im Jahr 2023 auf bis zu 2,4 Mio. Euro im Jahr 2025 und endet danach. Ein Konzept für die Zeit danach wird erst erarbeitet, eine „deutliche Verbesserung der Wirtschaftlichkeit“ ist bisher nur ein Ziel.

Kritik

Als die Mobil-Flat Anfang 2024 eingestellt wurde, hatte die Maßnahme ihren Gegenstand verloren und hätte beendet werden müssen. Stattdessen flossen weiter Fördermittel in Analysen, Befragungen und ein Visionsbild, deren Erkenntnisse kaum über das Selbstverständliche hinausgehen. Ein gemeinsamer Login ist sinnvoll, rechtfertigt aber keine Ausgaben von mindestens 260.000 Euro. Fördergeld, das bereitliegt, ist noch kein Grund, es auch auszugeben.

BER/25/12005: Zwischenbericht zum Förderprogramm "Modellprojekte zur Stärkung des ÖPNV", Ratsinformationssystem der Stadt Augsburg, 29. Januar 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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