Staatsbilanz

Stadt/Augsburg/Fehlplanung

Neue Schule, Fassade fällt schon ab

Augsburg will 2,88 Mio. Euro aus Geld für Kitas nehmen, um an der jungen Westparkschule eine mangelhaft gebaute Fassade zu ersetzen

Was ist passiert?

Die Westparkschule gehört zu den jüngeren Schulgebäuden der Stadt Augsburg. Ihre Außenhaut ist eine vorgehängte hinterlüftete Fassade: Platten, die mit Abstand vor der eigentlichen Wand befestigt sind. Gehalten werden sie unter anderem von Nieten.

Genau diese Nieten lösen sich und fallen herunter. Im Entwurf des 2. Nachtragshaushalts 2026 nennt die Stadtkämmerei den Grund ohne Umschweife: Ausführungsmängel an einer vergleichsweise neuen Schule. Die Fassade muss erneuert werden, und zwar kurzfristig. Veranschlagt sind dafür 2,88 Mio. Euro.

Die Rechnung kommt zur Unzeit. Ende September verhängte der Oberbürgermeister eine Haushaltssperre, weil die Kosten der Jugendhilfe davonliefen. Die Sonderrücklage für die Bezirksumlage ist fast leer, der Rahmen für Kassenkredite soll von 167 auf 200 Mio. Euro steigen. Gespart wird auch im Kleinen: Der Verzicht auf einen Sommerempfang bringt 100.000 Euro. Die neue Fassade kostet damit so viel wie knapp 29 gestrichene Sommerempfänge (2,88 Mio. Euro geteilt durch 100.000 Euro).

Bezahlt werden soll die Sanierung aus der Allgemeinen Rücklage, genauer aus dem Topf mit der Zweckbindung „Kindertagesbetreuungseinrichtungen“. Geld, das für Kitas zurückgelegt wurde, fließt also in die Reparatur eines Gebäudes, das eigentlich noch viele Jahre ohne große Eingriffe hätte auskommen sollen.

Zum Vergleich: Die Wittelsbacher Grundschule, an der seit 2024 Netze herabfallende Dachziegel auffangen, erhält im selben Nachtrag eine vollständige Dachsanierung für 2,05 Mio. Euro. Die Nachbesserung an der jungen Westparkschule ist damit rund 830.000 Euro teurer als ein komplett neues Schuldach.

Wer die Mängel verursacht hat und ob die Stadt das Geld von Planern oder Baufirmen zurückfordert, erwähnt die Vorlage mit keinem Wort. Auch ob es bei den 2,88 Mio. Euro bleibt, ist offen. Der Stadtrat soll am 29. Oktober 2026 entscheiden.

Kritik

Eine Schulfassade, von der an einem vergleichsweise neuen Gebäude die Nieten fallen, ist kein Schicksal, sondern das Ergebnis mangelhafter Bauausführung und einer Bauüberwachung, die den Pfusch nicht verhindert hat. Dass die Stadt mitten in einer Haushaltssperre 2,88 Mio. Euro aus der Kita-Rücklage für die Fehler anderer aufbringt, geht zulasten der Steuerzahler und der Kinderbetreuung. Parallel zur Sanierung muss die Stadt Gewährleistung und Regress gegen die Verantwortlichen mit Nachdruck durchsetzen. Zudem muss sie ihre Bauabnahmen so ändern, dass solche Mängel auffallen, bevor die Rechnung bei der Stadt landet.

BSV/26/00602: Erlass der 2. Nachtragshaushaltssatzung mit Nachtragshaushaltsplan 2026, Ratsinformationssystem der Stadt Augsburg, 12. Oktober 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

Weitere Vorgänge aus Augsburg

  1. 09.10.2026Augsburg Teures Häuschen für einen Bücherschrank 33.000 € Augsburg versetzt ein altes Kasernen-Wachhäuschen zum zweiten Mal und saniert es für 33.000 Euro, für einen Bücherschrank für 4.500 Euro
  2. 08.09.2026Augsburg Eltern zahlen fürs Kassieren beim Schulessen 123.000 € Bis zu rund 123.000 Euro im Jahr sollen Augsburger Eltern zahlen, weil die Stadt das Essensgeld an Schulen nicht mehr selbst einsammeln will
  3. 24.08.2026Augsburg Millionen für Schulcontainer auf vier Jahre 2,28 Mio. € Augsburg will 2,28 Mio. Euro für Container mit vier Klassenzimmern an einer Mittelschule ausgeben, die nur rund vier Jahre genutzt werden

Neue Vorgänge per E-Mail

Auswahl ändern

Neue Vorgänge per E-Mail

Bestätigung per E-Mail, Abmeldung jederzeit. Datenschutz