Eltern zahlen fürs Kassieren beim Schulessen
Bis zu rund 123.000 Euro im Jahr sollen Augsburger Eltern zahlen, weil die Stadt das Essensgeld an Schulen nicht mehr selbst einsammeln will
Was ist passiert?
An den Augsburger Schulen mit gebundenem Ganztag essen die Kinder mittags gemeinsam. Das Geld dafür zieht bislang das städtische Schulverwaltungsamt bei den Eltern ein. Zu Jahresbeginn 2026 betraf das 107 Klassen mit 2.043 Schülerinnen und Schülern. Das Amt verbucht Zahlungen, erstattet zurück, verschickt Mahnungen und beantwortet Fragen der Eltern.
Diese Arbeit will die Stadt nun abgeben. Laut Beschlussvorlage vom September 2026 soll ein externer Zahlungsdienstleister über eine Konzession die gesamte Abrechnung samt Forderungsmanagement übernehmen. Die Eltern sollen dafür ein Online-System mit Speiseplan, Kontostand und Erinnerung bei niedrigem Guthaben erhalten. Die Schulen sollen sich wieder auf ihre pädagogischen Aufgaben konzentrieren, die Caterer ihr Geld binnen weniger Werktage bekommen.
Bezahlen sollen das die Familien. Die Vorlage räumt offen ein, dass für die Erziehungsberechtigten zusätzliche Kosten entstehen, und rechnet mit Gebühren im mittleren zweistelligen Euro-Bereich pro Kind und Jahr. Setzt man dafür 40 bis 60 Euro an, kommen bei 2.043 Kindern jährlich rund 82.000 bis 123.000 Euro zusammen (2.043 mal 40 bzw. 60 Euro). Dabei soll es nicht bleiben: Weitere Schulen und Träger sollen sich dem Vertrag später anschließen können.
Was die Stadt im Gegenzug spart, verrät die Vorlage nicht. Unter Gesamtkosten steht schlicht „unbekannt“. Wie viel Arbeitszeit im Schulverwaltungsamt frei wird und ob dadurch Kosten wegfallen, bleibt offen, ebenso, ob die Familien an anderer Stelle entlastet werden. Die Verwaltung nennt die Umstellung dennoch eine „wirtschaftliche, effiziente und zukunftsorientierte Lösung“. Wirtschaftlich ist sie in erster Linie für das Amt, das eine Aufgabe loswird und die Rechnung weiterreicht. Über die Vorlage sollte der Bildungsausschuss am 22. September 2026 entscheiden.
Kritik
Wer eine Verwaltungsaufgabe auslagert und die Kosten den Eltern aufbürdet, spart nicht, er verschiebt nur. Eine solche Umstellung hätte erst beschlossen werden dürfen, wenn feststeht, welche Personal- und Sachkosten im Schulverwaltungsamt tatsächlich entfallen. Wird die Stadt entlastet, sollte diese Ersparnis den Familien zugutekommen, statt ihnen eine neue Jahresgebühr auf das Schulessen aufzuerlegen. Bequemes Bestellen per Smartphone ist kein Grund, Eltern für eine bisher städtische Aufgabe zur Kasse zu bitten.
BSV/26/00469: Neuorganisation der Abrechnung der Mittagsverpflegung im gebundenen Ganztag durch die Einführung eines externen Zahlungsdienstleisters, Ratsinformationssystem der Stadt Augsburg, 8. September 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.