Staatsbilanz

Stadt/Augsburg/Teure Kleinigkeit

Teures Häuschen für einen Bücherschrank

Augsburg versetzt ein altes Kasernen-Wachhäuschen zum zweiten Mal und saniert es für 33.000 Euro, für einen Bücherschrank für 4.500 Euro

Was ist passiert?

Auf dem Gelände der früheren Prinz-Karl-Kaserne ist ein gemischt genutztes Stadtviertel mit einer großen Grünfläche in der Mitte entstanden. An die militärische Vergangenheit erinnern die denkmalgeschützten Kasernenbauten und ein kleines Wachhäuschen, an dem früher der Zugang zur Kaserne kontrolliert wurde. Das Häuschen selbst steht nicht unter Denkmalschutz.

Als der nordwestliche Zugang ins Viertel gebaut wurde, versetzte man das Wachhäuschen um wenige Meter auf eine Grünfläche. Dort steht es seither ohne Fundament, einfach abgestellt und in baulich schlechtem Zustand. Mehrere Ideen für eine neue Nutzung, etwa als Spielhäuschen für Kinder, erwiesen sich als nicht tragfähig.

Nun soll das Häuschen ein zweites Mal um wenige Meter umziehen, diesmal auf eine betonierte Bodenplatte. Danach soll es samt Dach instandgesetzt werden und einen öffentlichen Bücherschrank erhalten, wie ihn eine Bürgerversammlung angeregt hatte. Betreten soll man das Innere allerdings nicht: Aus Gründen des Unterhalts und der Barrierefreiheit bleibt der Raum verschlossen, die Bücher stehen in den Türöffnungen. Die Fenster werden zugemacht und sollen historische Fotos zeigen.

Die Hülle ist deutlich teurer als ihr Inhalt. Für Versetzen und Instandsetzung sind rund 33.000 Euro brutto veranschlagt, für den Bücherschrank selbst 4.500 Euro. Das Gehäuse kostet damit gut siebenmal so viel wie der Schrank, den sich die Bürger gewünscht hatten (33.000 durch 4.500 ergibt rund 7,3). Allein Bodenplatte und Umsetzen stehen laut Kostenaufstellung mit netto rund 8.200 Euro in der Rechnung. Mit Mehrwertsteuer sind das knapp 9.750 Euro für einen Ortswechsel von wenigen Metern. Für spätere Reparaturen stellt die Stadt zusätzlich bis zu 5.000 Euro bereit.

Das Geld kommt vom Treuhandkonto der Entwicklungsmaßnahme. Die Verwaltung betont, die Summe sei bereits in der Kosten- und Finanzierungsübersicht von 2022 enthalten. Billiger wird sie dadurch nicht. Begründet wird das Vorhaben mit Erinnerungskultur und einem neuen Treffpunkt für die Nachbarschaft. Bücherschränke gibt es in der Umgebung allerdings schon, im Provinopark und im Hofgarten.

Kritik

Ein öffentlicher Bücherschrank bereichert ein Viertel, er braucht dafür aber kein sanierungsbedürftiges Wachhäuschen als Gehäuse. Dass ein nicht denkmalgeschütztes Häuschen zweimal versetzt wird, weil beim ersten Umzug kein dauerhafter Platz vorgesehen war, zeugt von schlechter Planung. Nachdem frühere Nutzungsideen gescheitert sind, wird dem Häuschen nun für rund 33.000 Euro ein Zweck gesucht. Die Stadt hätte den Wunsch der Bürger erfüllen und auf die teure Hülle verzichten sollen.

BER/26/00535: Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme "Prinz-Karl-Viertel" Instandsetzung und Umnutzung des ehemaligen Wachhäuschens, Ratsinformationssystem der Stadt Augsburg, 9. Oktober 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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