32 Jahre Tiefgarage ohne Fluchtweg
Augsburg soll 927.000 Euro in eine Tiefgarage stecken, die nie vollständig gebaut wurde und in der nur 85 von 151 Plätzen vermietet sind
Was ist passiert?
Unter dem Helmut-Haller-Platz am Oberhauser Bahnhof liegt eine Quartiersgarage mit 151 Stellplätzen. Die Stadt hat sie 1994 gebaut, ist bis heute Eigentümerin und vermietet die Plätze über ihr Liegenschaftsamt. Nun soll der Platz darüber neu gestaltet werden, im Süden mit einer Wendefläche für Busse und Taxis.
Bei dieser Planung fiel auf, was unter dem Pflaster fehlt. Die Baugenehmigung von 1994 verlangte ein zusätzliches Treppenhaus als weiteren Rettungsweg und Schlupftüren in den Brandwänden. Beides wurde nie gebaut. Manche Fluchtwege sind zudem länger als die erlaubten 30 Meter. Die Verwaltung schreibt selbst, die Garage hätte so nicht in Betrieb gehen dürfen. Damit im Ernstfall niemand zu weit laufen muss, sind derzeit nur 85 der 151 Plätze vermietet. 66 Stellplätze bleiben leer.
Auch die Decke hält nicht, was die Pläne versprachen. Sie trägt nur Fahrzeuge bis 16 Tonnen und war nach heutigem Kenntnisstand schon für die Lasten von 1994 zu schwach bemessen. Busse wiegen bis zu 32 Tonnen, Müllwagen 30.
Das Nachholen kostet 427.000 Euro für Fluchttreppenhaus, drei Brandschutztore und die angepasste Brandmeldeanlage, darin bereits ein Sicherheitszuschlag von 20 Prozent. Hinzu kommen rund 500.000 Euro für eine zusätzliche Stahlbetonplatte auf der Decke. Die Vorlage nennt das ohne Umschweife eine „erstmalige ordnungsgemäße Herstellung“. Zusammen sind es 927.000 Euro, das sind gut 6.100 Euro je Stellplatz (927.000 : 151) oder knapp 10.900 Euro je vermietetem Platz (927.000 : 85).
Die Eile begründet die Verwaltung mit dem Bauordnungsamt, das andernfalls die Nutzung untersagen will, und mit dem anstehenden Platzumbau. Genehmigt ist die brandschutztechnische Ertüchtigung allerdings schon seit dem 2. September 2024. Eingeplant wurde das Geld trotzdem nicht. Nun soll es außerplanmäßig aus der Rücklage „Parkraum“ kommen, weil man nicht einmal den Nachtragshaushalt abwarten könne. Gebaut werden soll von Juni bis Dezember 2026.
Kritik
Augsburg bezahlt heute für eine Garage, die schon 1994 vollständig und tragfähig hätte gebaut werden müssen. Dass eine städtische Anlage über drei Jahrzehnte ohne den geforderten Rettungsweg und mit zu schwacher Decke lief, zeigt, dass beim Bau und bei der Abnahme niemand genau hingesehen hat. Bevor die Rücklage angezapft wird, muss geprüft werden, ob Planer, Statiker oder Baufirma von damals noch in Anspruch genommen werden können. Eine Maßnahme, die seit 2024 genehmigt ist, gehört in den regulären Haushalt und nicht in einen Eilbeschluss.
BSV/26/62034: Notwendige Baumaßnahmen an der Tiefgarage am Oberhauser Bahnhof (Helmut-Haller-Platz), Ratsinformationssystem der Stadt Augsburg, 31. März 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.